Bei Patienten mit Entlassrezept lieber eine Medikationsanalyse machen

Bei einem Fünftel aller Patienten, die kurz nach Entlassung aus dem Krankenhaus erneut aufgenommen werden müssen, ist die Arzneimitteltherapie schuld daran. Knapp 70% dieser arzneimittelbezogenen Wiederaufnahmen wären vermeidbar gewesen.

Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Übersichtsarbeit [1], die einzelne Studien zu dieser Fragestellung systematisch ausgewertet hat.

Als vermeidbare arzneimittelbedingte Wiederaufnahmen galten neben Medikationsfehlern  alle erkennbaren arzneimittelbezogenen Probleme, z.B. auch die Nicht-Beachtung einer bekannten Allergie oder die unterlassene Anpassung der Dosis an eine reduzierte Nierenfunktion.

Diese Zahlen lassen vermuten, dass Patienten, die nach einem Klinikaufenthalt z.B. mit einem Entlassrezept in die Apotheke kommen, besonders von einer umfassenden Medikationsanalyse profitieren könnten. Profitieren kann ebenfalls das Gesundheitssystem, weil ein vermiedener Krankenhausaufenthalt erhebliche Kosteneinsparungen bedeutet.

Als Risikofaktoren wurden in der Arbeit identifiziert: Krebserkrankung, ein hoher Co-Morbiditätsindex und verschiedene Wirkstoffklassen. Hier ganz vorne dabei: Antibiotika, Diuretika, Vitamin K-Antagonisten und Opioide. Außerdem wurden vermehrt durch Antidiabetika, Krebstherapeutika, Antihypertensiva, Digitalis, Kortikosteriode und Psychopharmaka ausgelöste Wiederaufnahmen berichtet.

Quelle

N El Morabet et al.: Prevalence and Preventability of Drug-Related Hospital Readmissions: A Systematic Review. JAGS2018; 66:602–608

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apotheker.unverzichtbar.kompetent -Tagebuch

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unsere Initiative „apotheker.unverzichtbar.kompetent“ ist angelaufen. In diesem Blog informieren wir Sie den September über (während uns hoffentlich viele, viele Fragebögen erreichen) immer mal wieder über den aktuellen Stand.

Zur Initiative selbst mit den Zielen, Erläuterungen und für Sie vorbereiteten Fragebögen geht es hier.

Fr 24.11.2017: Antwort vom Gesundheitsminister

Wir haben Post von Herrn Gesundheitsminister Gröhe erhalten: Er bestätigt unsere Ergebnisse aus seiner persönlichen Erfahrung heraus und verspricht, sich weiterhin für den Erhalt der flächendeckenden wohnortnahen Versorgung auf hohem Niveau durch niedergelassene öffentliche Apotheken einzusetzen, die auch für eilige Notfälle unentbehrlich seien. Das vollständige Schreiben kann hier eingesehen werden.

Mi 25.10.2017: Die Daten sind ausgewertet und die Ergebnisse aufbereitet

Wie viele Daten man erhoben hat, merkt man spätestens, wenn man sie alle in eine große Tabelle überträgt, auswertet und grafisch aufbereitet. Damit haben wir uns in den letzten vier Wochen befasst und stellen  nun die Ergebnisse zur Qualifizierung, Kompetenz im Einsatz und zur Zufiredenheit von Apothekern, Patienten und Ärzten in unserem Sonder-Newsletter vor. Dort finden Sie eine Kurz- und eine Langfassung zum Herunterladen. Sie sind herzlich eingeladen, die Dokumente an interessierte Kolleginnen und Kollegen weiterzuleiten und daraus zu zitieren. Für die Darstellung in der Öffentlichkeit haben wir ausgewählte Ergebnisse auf der Seite apotheker-unverzichtbar-kompetent.de dargestellt. Nun braucht es Verbreitung der guten Nachricht: Machen Sie Ihr Umfeld auf die Initiative und die Ergebnisse aufmerksam.

Allen, die teilgenommen haben, danken wir an dieser Stelle sehr herzlich. Mit unserer Initiative können wir zeigen, dass sich Kompetenz und Leistung der öffentlichen Apotheke messen und darstellen lassen. Wir werden die Umfrage daher im Frühjahr 2018 wiederholen.

Di 26.09.17: „Tolle Aktion…

deshalb haben wir auch mitgemacht“, schreibt uns eine Kollegin oder ein Kollege aus Neustadt. Inzwischen kommen regelmäßig Antworten bei uns an. Damit die Zahlen zur Kompetenz in unseren Apotheken richtig „einschlagen“ können, brauchen wir aber noch mehr Antworten. Und Sie können auch jetzt noch teilnehmen, zumindest mit dem allgemeinen Teil unserer Befragung. Auch diese Zahlen bringen uns alle voran. (Und Rückläufer, die uns in der ersten Oktoberwoche erreichen, fließen selbstverständlich auch mit in die Auswertung ein.)

Fr 22.09.2017: „Längst nicht so viel Arbeit…

…wie befürchtet 🙂 und zusammengekommen ist doch einiges. Hoffentlich machen viele Kollegen mit, dann können alle sehen, was wir so tagtäglich ‚zwischendurch‘ leisten!“ (D. Michel, Hamburg). Dieser Meinung sind wir auch!

Mi 20.09.2017: Ein guter Tipp

„In der Offizin haben wir die Strichliste in A5-Format auf die HV Tische geklebt. Das klappt super,“ schreibt H. Gnekow aus Hamburg. Herzlichen Dank für diesen Praxis-Tipp!

Mo 18.09.2017: Feedback

„Liebe Frau Dartsch, vielen Dank für Ihr Engagement!! Das ist eine tolle Idee.
Liebe Grüße Katja Renner“ (per Email) Gern geschehen, liebe Frau Renner, so startet es sich gut in die Woche.

Do., 07.09.17: Der erste Fragebogen ist zurückgekommen!

Wir werden sicher nicht jeden Rückläufer kommentieren (können), aber den ersten schon, denn natürlich freuen wir uns, dass wir auf erste Resonanz stoßen. Geantwortet hat uns ein Apotheker oder eine Apothekerin, der / die voll hinter den Aussagen steht, dass die Beratung sowohl die Patientensicherheit als auch die eigene Arbeitszufriedenheit erhöht und dass er oder sie sich dafür auch kompetent fühlt. Gut so! Und herzlichen Dank!

Mo 04.09.17: Die ABDA informiert

„Wir befürworten die Teilnahme an dieser Umfrage.“ Das freut uns sehr.

Fr., 01.09.17: Feedback

„Das ist ein schönes Projekt“ (Friedemann Schmidt, Leipzig). Dankeschön für diese positive Rückmeldung.

Do., 31.08.17: Die DAZ berichtet

„Apotheker können fundiert beraten – wichtig wäre nur, dass sich das auch mal rumspricht.“ So hat die DAZ Online unsere Idee sehr schön auf den Punkt gebracht.

 

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Initiative „apotheker.unverzichtbar.kompetent“

Sehr geehrte Kolleginnen und sehr geehrte Kollegen,

mit großer Freude informieren wir Sie ab heute über den Start unserer Initiative:

„apotheker.unverzichtbar.kompetent.“

Warum diese Initiative?

Seit fünf Jahren tragen wir mit unserem Campus Pharmazie dazu bei, dass Apothekerinnen und Apotheker Menschen kompetent zu Arzneimitteln beraten. Es ist auch für uns ein Schlag ins Gesicht, wenn unsere Berufsgruppe vom Medikationsplan ausgeschlossen bleibt und die patientenorientierte Beratungstätigkeit mit schlechteren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen quittiert wird.

Wir haben darum die Initiative „apotheker.unverzichtbar.kompetent“ enwickelt, mit der wir die Kompetenz und die Beratungsleistung der Apotheken nach außen darstellen möchten.

Um das faktenbasiert tun zu können, brauchen wir Ihre Unterstützung.

Wie unterstützen Sie uns dabei?

Dokumentieren Sie eine Woche lang, welche arzneimittelbezogenen Probleme Ihnen in Ihrem Apothekenalltag begegnen und wie diese gelöst werden konnten und beantworten Sie uns einige Fragen zu den Fort- und Weiterbildungsaktivitäten der Apothekerinnen und Apotheker in Ihrer Apotheke.

Wenn Sie können und wollen: Nutzen Sie unsere vorbereiteten Kurzfragebögen und holen Sie Feedback von Kunden / Patienten und Ärzten zu Ihrer pharmazeutischen Beratungsleistung ein.

Wir wollen realistisch darstellen, wie viel heilberufliche Sachverständigkeit und Kompetenz in den Apothekerinnen und Apothekern in Deutschland steckt. Je mehr Apotheken sich beteiligen, je vollständiger die arzneimittelbezogenen Probleme dokumentiert werden, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse.

Wie ist der Ablauf?

Hier sind die Bögen, die wir zu diesem Zweck entwickelt haben:

Bzgl. des Feedbacks zu Ihren Beratungsleistungen:

(Die Fragebögen an Ärzte und Patienten stellen wir im Word-Format zur Verfügung, so dass Sie die Formulierungen im Anschreiben verändern können.)

Der Aktionszeitraum ist der September 2017. Wählen Sie eine für Sie geeignete Woche im September, in der Sie dokumentieren, welchen arzneimittelbezogenen Problemen Sie begegnen.

Halten Sie auf dem Bogen fest, wie diese Probleme gelöst werden konnten. Schicken Sie die Dokumentations- und Fragebögen bis zum 10.10.17 per Post, Fax oder Email an uns zurück.

Wir zeigen die Ergebnisse auf der Website www.apotheker-unverzichtbar-kompetent.de und verbreiten sie in Pressemitteilungen innerhalb der Fachwelt und darüber hinaus.

Rückschlüsse auf Angaben der einzelnen Apotheke sind aus der Darstellung nicht möglich.

Haben Sie noch Fragen? Dann stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. Schon jetzt danken wir Ihnen ganz herzlich fürs Mitmachen! Jeder soll es sehen: Sie sind
unverzichtbar.kompetent.

Mit kollegialem Gruß

Dorothee Dartsch und Jasmin Hamadeh

 

Bild: © wavebreakmedia / istock

Hyponatriämie

Zu wenig Natrium?

Natrium regelt den Flüssigkeitshaushalt und ist ein essenzieller Mitspieler beim Aufbau von Transmembranpotenzialen, die neuromuskuläre Funktionen ermöglichen.

Patienten, die zu geringe Natriumkonzentrationen im Blut haben, haben Kopfschmerzen, sind häufig verwirrt, rastlos, reizbar, müde und schnell erschöpft und leiden unter Übelkeit und Erbrechen. Bei sehr niedrigen Konzentrationen kommen Krämpfe, Krampfanfälle und Koma hinzu.

Hyponatriämie als unerwünschte Arzneimittelwirkung

Bevor es so weit kommt, sollte gerade bei älteren Patienten unter Polymedikation ein Blick auf die Arzneimittelliste geworfen werden, denn etliche Wirkstoffe können zur Hyponatriämie führen:

Psychopharmaka:

  • Amitriptylin
  • Desipramin
  • Haloperidol
  • Thioridazin
  • Trifluoperazin
  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (v.a. bei älteren Patienten)
  • MAO-Hemmer
  • Clozapin

Diuretika:

  • Thiazide
  • Schleifendiuretika
  • Amilorid

Krebstherapeutika:

  • Vincristin
  • Vinblastin
  • Platinpräparate
  • Cyclophosphamid
  • Iphosphamid
  • Melphalan
  • Methotrexat
  • monoklonale Antikörper
  • IFN alpha und gamma
  • Bortezomib
  • etliche Tyrosinkinasehemmer
  • Thalidomid

Antiepileptika:

  • Carbamazepin
  • Oxcarbazepin
  • Lamotrigin
  • Valproat

Antiinfektiva:

  • Trimethoprim-Sulfamethoxazol
  • Ciprofloxacin
  • Rifabutin
  • Amphotericin

Weitere:

  • ACE-Hemmer
  • NSAIDs
  • Sulfonylharnstoffe
  • Amiodaron
  • Theophyllin
  • Protonenpumpenhemmer

Findet man bei Patienten mit den genannten Symptomen und Natriumwerten unter dem Referenzbereich einen medikamentösen potenziellen Auslöser, besteht der therapeutische Ansatz in dessen Absetzen und ggf. Ansetzen einer therapeutischen Alternative.

Die Interpretation von Laborparametern ist ein wichtiges Instrument zur Steuerung und Optimierung von Arzneimitteltherapien.

Quellen

Laborlexikon.de: Natrium im Serum

SIDER: Hyponatremia

D Liamis et al., A Review of Drug-Induced Hyponatremia. American Journal of Kidney Diseases 2008, 52(1): 144-153

Fourlanos & Greenberg, Managing drug-induced hyponatraemia in adults. Aust Prescr: 2003;26:114-7

Braun et al., Diagnosis and Management of Sodium Disorders: Hyponatremia and Hypernatremia. Am Fam Physician. 2015, 91(5): 299-307

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Klinisches Medikationsmanagement verbessert klinische Parameter

AMTS-ExperteDies zeigte kürzlich eine spanische Studie zum klinischen Medikationsmanagement in einer öffentlichen Apotheke für chronisch kranke Patienten, die über einen Zeitraum von 18 Monaten begleitet wurden [1].

Im Rahmen der Studie wurden 132 Patienten mit einem durchschnittlichen Alter von 63 Jahren (61% über 65 Jahre) und einer durchschnittlichen Anzahl von 6 Arzneimitteln (69% mehr als 5 Arzneimittel) versorgt.

Medikationsmanagement: In drei Schritten zum Ziel – immer wieder

Schritt 1: In einem Datenerfassungsgespräch wurden Daten zur Medikation, zum Gesundheitszustand inkl. Diagnosen und klinischer Laborparameter, zur Lebensqualität, zum Umgang mit der Erkrankung und zu Arzt- und Krankenhausbesuchen erhoben.

Schritt 2: Analyse arzneimittelbezogener Probleme und bereits manifester oder potenzieller negativer Folgen und Erarbeitung von Lösungsvorschlägen. Die Liste der arzneimittelbezogenen Probleme entspricht der im ABDA-Grundsatzpapier dargestellten Liste systematisch erfassbarer arzneimittelbezogener Probleme in der klinischen Medikationsanalyse [2].

Schritt 3: Kommunikation mit dem Patienten und anderen Heilberuflern zur Problemlösung, Einigung über die bevorzugte weitere Strategie und Festlegung von Aspekten für das Follow-up.

Diese drei Schritte wurden über einen Zeitraum von 18 Monaten reiterativ wiederholt, wodurch per Definition die Medikationsanalyse zum Medikationsmanagement wird.

Ergebnisse

Knapp 600 manifeste oder drohende negative Folgen arzneimittelbezogener Probleme wurden identifiziert, wovon gut 66% gelöst und 30% vermieden werden konnten, die meisten davon in Kooperation mit dem Arzt: Vorschläge, ein Arzneimittel an- oder abzusetzen oder zu wechseln, 51%, Vorschläge zur Dosisänderung 13%. 36% der Lösungsvorschläge richteten sich an den Patienten.

Die Zahl der Krankenhausaufenthalte wurde auf ein Drittel, die Zahl der Notaufnahmen auf ein Fünftel reduziert. Gleichzeitig sank die Zahl der Arzneimittel pro Patient im Schnitt auf die Hälfte.

Die Non-Adhärenz sank von gut 50% auf 1% nach 18 Monaten Follow-up, das Wissen der Patienten um Dosis und Einnahmeintervalle verbesserte sich immens.

Die Lebensqualität der Patienten stieg in allen Dimensionen (allgemein, physisch, sozial, mental etc.).

 Fazit der Autoren

„Die Integration von Apothekern in öffentlichen Apotheken in das multidisziplinäre heilberufliche Team ist eine verlässliche Lösung zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung.“

Quellen:

[1] Garcia-Cardenas et al., Implementation of medication review with follow-up in a Spanish community pharmacy and its achieved outcomes. Int J Clin Pharm 2015 DOI 10.1007/s11096-015-0145.

[2] ABDA 2014: Grundsatzpapier zur Medikationsanalyse und zum Medikationsmanagement, Tabelle 2, S. 15

 

Newsletter Nr. 02/2015

 

Mysterium Multimediaktion

 

Mysteriöses Muskelzucken – ein Fall für Dr. Kinet: Erfreuen Sie sich an einer Detektivgeschichte, die an einem Fallbeispiel pharmakokinetischen Zusammenhängen einer gefährlichen Multimedikation auf den Grund geht. Hätten Sie es gewusst…?

 

Medikationsanalyse: Erneut bieten wir mit unserem Netzwerkpartner, der Apothekerkammer Hamburg, ein Blended-Learning-Seminar zur Medikationsanalyse an. Am 18.04.15 treffen wir uns zum Präsenztag, in dem es um die Medikationsanalyse als Prozess und Kommunikation geht. In der ersten Junihälfte finden Online-Case-Trainings statt. Die Teilnehmer analysieren dort drei Medikationen innerhalb einer Woche zu selbst gewählten Zeiten im kollegialen Austausch. Restplätze zu buchen über die AKHH.

 

Indikatoren für arzneimittelbezogene Probleme analysiert: Um Patienten zu identifizieren, die in besonderem Maß von einer Medikationsanalyse profitieren könnten, sind Indikatoren hilfreich, die auf das Vorhandensein von Problemen hinweisen. Wir stellen Ihnen eine US- und eine Schweizer Studie vor, die mit ganz unterschiedlichen Verfahren nach solchen Indikatoren gesucht haben.

 

Suizidrisiko unter Antidepressiva: Eine britische Beobachtungsstudie an knapp 240.000 Patienten mit Depression hat die Häufigkeit von Suizid(versuchen) und selbst-aggressivem Verhalten in Abhängigkeit vom antidepressiven Wirkstoff untersucht. Ergebnis: Mirtazapin, Trazodon und Venlafaxin haben ein größeres Risiko als Trizyklika und SSRI. Mehr dazu hier.

 

Physiologie und das Verhalten von Arzneimitteln im Körper: Dieses Zusammenspiel zu verstehen ist unmittelbar relevant für Interaktionen, unerwünschte Wirkungen sowie die Therapieanpassung für Patienten mit Nieren- oder Lebererkrankungen oder geriatrische Patienten (s. Detektivgeschichte).

Das SeminarAngewandte Pharmakokinetik vermittelt dieses Zusammenspiel und ist darum der ideale Einstieg in diese Themen. Laufzeit: 23.04.-20.05.15. Eine Beschreibung unseres Seminarkonzepts, des Nutzens und der Kosten finden Sie auf unserer Website. Letzte Anmeldungen nehmen wir bis zum 09. April über das Online-Anmeldeformular oder per E-Mail entgegen.

 

Leitlinie zum langfristigen Opioideinsatz aktualisiert: Wir haben für Sie die Gründe für die Aktualisierung sowie mögliche Indikationen und Kontraindikationen für Opioide bei CNTS zusammengestellt.

Kollegial grüßen in die Osterzeit

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

Studie zu Indikatoren für ABP

AMTS-ExperteDer Kommentar zur BAK-Leitlinie „Medikationsanalyse“ enthält einen Katalog der möglichen Kriterien für die Identifizierung von Patienten, die von einer Medikationsanalyse besonders profitieren könnten:

  • Multimorbidität und damit verbundene Polymedikation (≥ 5 dauerhaft angewandte, systemisch wirkende Arzneimittel)
  • ≥ 12 Arzneimittelanwendungen pro Tag
  • ≥ 4 chronische Erkrankungen
  • Verdacht auf Nebenwirkung
  • Verdacht auf nicht ausreichendes Ansprechen auf Arzneimitteltherapie
  • Verdacht auf mangelnde Therapietreue
  • Verschiedene Verordner
  • Akutes Problem, das eine weitere Abklärung erfordert
  • Änderung des Therapieregimes, z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt

Das ist gut und hilfreich. Zu beachten ist bei der Anwendung allerdings, dass die Kriterien als Orientierung und nicht absolut zu begreifen sind, denn es gibt kaum Daten, die die genannten Cut-off-Werte belegen. Um so wichtiger, dass es Studien gibt, die uns helfen können, diese Kriterien zu validieren und ggf. zu schärfen.

Indikatoren als Ergebnis telefonischer Interviews

Eine solche Studie [1]  wurde Ende letzten Jahres veröffentlicht. Sie erfasste Indikatoren für arzneimittelbezogene Probleme (ABP) anhand telefonischer Interviews von Apothekern mit Patienten in den USA in einem speziellen Disease Management Programm.

Für ABP generell wurden Polymedikation, Adipositas, Dyslipidämie und ein oder mehrere Notaufnahmen ins Krankenhaus innerhalb der vergangenen drei Monate als Indikatoren gefunden.

Weibliches Geschlecht, Adipositas, Dyslipidämie und Polymedikation waren signifikant mit indikationsbezogenen Problemen assoziiert, also Über- und Unterversorgung, Doppelverordnungen und vermeidbaren Verordnungskaskaden.

Auf wirksamkeitsbezogene Probleme (definiert als ungeeignete Formulierung, Kontraindikation, fehlendes Ansprechen, zu geringe Wirkung, sub-optimale Wirkstoffauswahl, ungeeignete Anwendungsfrequenz oder -dauer, falsche Lagerung, falsche Anwendung) wiesen hin: Knochenerkrankungen (Osteoporose, Osteoarthritis, rheumatoide Arthritis) und Dyslipidämie. Letztere war darüber hinaus statistisch signifikant mit sicherheitsbezogenen Problemen assoziiert, also allergische Reaktion, unerwünschte Wirkung, unerwünschte Interaktion, zu schnelle Aufdosierung, Überdosierung, zu lange Therapiedauer, fehlendes Monitoring.

Für adhärenzbezogene Probleme konnten keine Prädiktoren identifiziert werden.

Merkmale, die nicht mit ABP assoziiert waren, waren beispielsweise Alter, andere als die genannten Erkrankungen, die Zahl der versorgenden Apotheken und Ärzte oder die Zahl der Arzneimitteleinnahmen pro Tag.

Die 712 interviewten Patienten waren überwiegend weiblich, durchschnittlich 50 Jahre alt, hatten im Schnitt 2,5 Erkrankungen, 1,2 Verordner, erhielten ihre Arzneimittel von 3 Apotheken,und wandten insgesamt 11 Arzneimittel an, sechs davon dauerhaft. 67% der Patienten waren im vergangenen Vierteljahr in der Notaufnahme eines Krankenhauses.

Bei 61% der Patienten wurden ABP anhand der Patientenakten festgestellt, durchschnittlich 11 pro Kopf. Am Häufigsten waren das Probleme der Wirksamkeit (55%), gefolgt von Problemen der Indikation (50%), der Sicherheit (36%) und der Adhärenz (23%).

Dyslipidämie und Adipositas haben sich in dieser Studie als Indikatoren für ABP gezeigt. Auch wenn dies möglicherweise indirekte Zusammenhänge sind (beide sind häufig mit Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen und daher mit Polymedikation assoziiert) oder Erkrankungshäufigkeiten und Verordnungsmengen widerspiegeln, lohnt evtl. auch bei diesen Patienten eine Medikationsanalyse.

Risikofaktoren aus einer Delphi-Studie

Ganz anders ging eine aktuelle Studie aus der Schweiz [2] vor: Hier wurden mögliche Risikofaktoren anhand einer umfangreichen Literaturstudie definiert, deren Bedeutung für ABP dann von einem 10-köpfigen Expertengremium bewertet wurden.

Ergebnis ist eine Liste von 27 als „wichtig“ oder „eher wichtig“ klassifizierten Risikofaktoren, die die „klassischen“ Punkte Polymedikation, Polymobidität, schwierig zu handhabende Arzneimittel, Non-Adhärenz und Auftreten unerwünschter Wirkungen enthält.

Die weiteren Punkte der Liste sind

  • Patientenfaktoren (Sprachliche Verständigungsschwierigkeiten, feinmotorische Defizite, Sehstörungen, fehlende Information bzw. fehlendes Patientenwissen, Anwendung freiverkäuflicher Arzneimittel)
  • spezifische Wirkstoffgruppen (Antiepileptika, Antikoagulanzien, NSAID+Antikoagulanz, Insulin, Digoxin, Diuretika, trizyklische Antidepressiva, Anticholinergika, Benzodiazepine, Opioide, Corticosteriode, orale Antidiabetika und allgmeine Wirkstoffe mit geringer therapeutischer Breite)
  • spezifische Erkrankungen (Demenz, Niereninsuffizienz, Lebererkrankungen)

 

Quellen

[1] ME Snyder et a., Predictors of Medication-Related Problems among Medicaid Patients Participating in a Pharmacist-Provided Telephonic Medication Therapy Management Program. Pharmacotherapy 2014;34(10):1022

[2] CP Kaufmann et al., Determination of risk factors for drug-related problems: a  multidisciplinary triangulation process. BMJ Open 2015;5:e006376

Ein Fall für Sie: Gerinnungshemmung nach PCI bei Co-Morbidität

StentHerr H.Z., 75 Jahre erhielt wegen einer knapp 60%igen Verengung einer Koronararterie und pektanginösen Beschwerden einen koronaren Stent implantiert.

Da er zwei Jahre zuvor eine tiefe Beinvenenthrombose erlitten hatte, wurde er bereits prä-operativ mit Phenprocoumon behandelt und sein INR-Wert auf 2-3 eingestellt. Vor der OP wurde ein Bridging mit Heparin durchgeführt, nun wird die Therapie mit Phenprocoumon fortgesetzt. Da er bereits antikoagulativ behandelt wird, soll von einer zusätzlichen Thrombozytenaggregationshemmung abgesehen werden, um Blutungskomplikationen zu vermeiden.

Die weitere Medikation (seit mindestens einem Jahr) umfasst Simvastatin und Metoprolol sowie schnellwirkendes Glyceroltrinitrat bei Bedarf, zusätzlich wegen Gichterkrankung Allopurinol und wegen Depression Amitriptylin.

Welche arzneimittelbezogene Probleme liegen hier vor oder könnten sich ergeben? Was wären mögliche Lösungsstrategien?

Medication Management / Medication Review (USA)

Medication Management / Medication Review in den USA

Den „Guidelines for the Practice of Comprehensive Medication Management” zufolge, wird im ersten Schritt die komplette Medikation des Patienten (Verordnungen, Selbstmedikation, Phytopharmaka, Nahrungsergänzungsmittel) einschließlich der Dosierungen erfasst, ebenso wie seine Arzneimittel-bezogenen Erfahrungen (bisherige Therapieversuche, Allergien, Unverträglichkeiten, Einstellung), sein Gesundheitszustand mit aktuellen klinischen Daten und die vom Patienten bzw. Arzt angestrebten Therapieziele.

Im zweiten Schritt werden die arzneimittelbezogenen Probleme identifiziert:

  • Versorgungssituation (bestehende Indikation für alle verordneten Arzneimittel, Verordnungen für alle bestehenden Indikationen?)
  • Wirksamkeit (wirksamstes Arzneimittel ausgewählt, Dosis den Therapiezielen und dem Zustand des Patienten angemessen?)
  • Sicherheit (gibt es Anzeichen für unerwünschte Wirkungen, Überdosierung?)
  • Adhärenz (Patient fähig und willens, seine Medikation korrekt anzuwenden?)

Der dritte Schritt ist die Erstellung eines Arzneimittel-Versorgungsplans, der die für notwendig befundenen Interventionen, die individuellen Therapieziele, patientenseitigen Informationsbedarf, zu überwachende Parameter für therapeutische und unerwünschte Wirkungen und Folgetermine zur weiteren Therapiebegleitung enthält.

Im vierten Schritt finden wiederholte Treffen in individuell angemessenen Intervallen statt, bei denen neu aufgetretene arzneimittelbezogene Probleme identifiziert und gelöst sowie die festgelegten Parameter und das Erreichen der Therapieziele überprüft werden.

Detaillierte Informationen dazu: http://www.pcpcc.net/files/medmanagement.pdf (letzter prüfender Zugriff: 17.12.12)

von Dorothee Dartsch, CaP Campus Pharmazie GmbH, Hamburg

Fallbeispiel Herzinsuffizienz, AV-Block und Myasthenia gravis

Fallbeispiel Herzinsuffizienz, AV-Block und Myasthenia gravis

Ein 76 Jahre alter Patient muss sich einer Hüftoperation unterziehen.

Anamnese:

  • AV-Block 2. Grades
  • Linksherzinsuffizienz
  • (beides seit Jahren und vom Anästhesisten per EKG kurz vor der Operation bestätigt)
  • Myasthenia gravis

Dauermedikation:

  • Xipamid 20mg, 1×1
  • Prednison 10 mg, 2×1
  • Pyridostigmin ret. 180 mg, 2x ½
  • Metoprolol 100mg, 1×1

Akutmedikation nach der OP zusätzlich: Piritramid

Der Patient entwickelte Schluckbeschwerden kurz nach der Injektion des Piritramids, die innerhalb von 24 Stunden verschwanden. Der ß-Blocker wurde im kardiologischen Konsil ersatzlos abgesetzt. Während des Klinikaufenthaltes schwankte der Blutdruck zwischen 140/90 und 160/90.

Welche arzneimittelbezogenen Probleme liegen vor oder könnten eintreten?
Denken Sie gern mit – wir lösen das Rätsel hinter Tür 23 – wenn es soweit ist.

für dieses Fallbeispiel vielen Dank an: Camille Kirt, Garnich, Luxemburg