Newsletter Nr. 02/2020

Frau sitzt am Laptop

Antihypertensiva-Ranking: Ein vor Kurzem veröffentlichter systematischer Review zeigt, dass ACE-Hemmer, Dihydropyridin-Calciumkanalblocker, Thiaziddiuretika, Betablocker und Angiotensin-Rezeptorblocker in Studien mit Hypertonie-Patienten unterschiedlich gut wirksam waren. In welchen Endpunkten sich welche Wirksamkeit gezeigt hat und auf welche Patienten diese Ergebnisse übertragen werden können, lesen Sie in unserem Blog.

Medikationsmanagement ist kosteneffektiv: In regelmäßigen 5-8-Jahres-Abständen werden systematische Reviews zur Kosteneffektivität klinisch-pharmazeutischer Dienstleistungen im Bereich des Medikationsmanagements veröffentlicht. Der aktuelle Überblick über die Jahre 2011 bis 2017 ist gerade erschienen. Wir haben für Sie zusammengestellt, welche pharmakoökonomischen Effekte die Autoren für das Medikationsmanagement gefunden und besonders hervorgehoben haben.

Masken und Handschuhe: Ist doch völlig logisch, dass eine Mund-Nasen-Bedeckung und Handschuhe besser gegen eine Ansteckung mit COVID19 sind als nichts, sagen die einen. MNB und Handschuhe schützen nicht vor Ansteckung, sagen die anderen. Und beide haben recht. Wie das sein kann, erklären wir auf der Website. Und auch, wie erfolgreich MNB Viren beim Husten zurückhalten.

Lancet Voice: The Lancet („Die Lanzette“) informiert seit fast 200 Jahren über neue Entwicklungen in der Medizin. Mit „The Lancet Voice“ sind die Informationen nicht nur les-, sondern auch hörbar. In 14-tägigen Podcast diskutieren Redakteure mit Experten über verschiedene medizinische Themen. Eine Übersicht, welche für uns ApothekerInnen spannenden Themen dort zur Zeit abrufbar sind, finden Sie auf unserer Website.

Wege aus dem Analgetika-Kopfschmerz: Analgetika-Kopfschmerz entsteht durch regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln gegen Kopfschmerz oder Migräne und betrifft in Europa etwa 1–2% der Bevölkerung. In Deutschland sind das mehr als 1 Million Menschen. Die ‚European Academy of Neurology‘ hat im April eine Leitlinie herausgegeben, die darlegt, wie den Betroffenen geholfen werden sollte. Wir haben die Empfehlungen für Sie zusammengestellt.

Webinare ersetzen Präsenz: Fortbildung ist wichtig und sollte nicht ausfallen, auch nicht in ungewöhnlichen Zeiten. Wir freuen uns darum, dass wir unsere Online-Kompetenz und -Technik im Rahmen unserer Netzwerkpartnerschaft mit der Apothekerkammer Hamburg einsetzen können, um die Abendvorträge aufzufangen. Bis Präsenzfortbildungen wieder stattfinden dürfen, laden wir die Hamburger Apothekerinnen und Apotheker sowie PTA und die bereits eingeplanten Referentinnen und Referenten zu uns in den Webinarraum ein. Das Angebot erfreut sich großer – und noch steigender – Beliebtheit.

Das nächste moderierte Online-Seminar:Medizinische Literaturrecherche und Arzneimittelinformation“ läuft wieder vom 03. bis 30. September. Orts- und zeitflexibel, praxisorientiert und industrieunabhängig. Die Akkreditierung in der Weiterbildung ist beantragt. Melden Sie sich an.

Allen Kolleginnen und Kollegen wünschen wir eine unbeschwerte und erholsame Ferienzeit. Bleiben Sie gesund!

Jasmin Hamadeh ——Dr. Dorothee Dartsch
(Mediendidaktik)-__—-(Klinische Pharmazie)
mit dem Campus-Team

Hier können Sie unseren Newsletter herunterladen: PDF-Datei

Masken und Handschuhe: helfen sie?

Professionelle Atemschutzmasken und Handschuhe waren in Apotheken schnell vergriffen als Corona erst als Nachricht und dann als Ansteckungswelle in Europa eintraf. WHO und RKI waren sich einig: Das mache nichts, die Bevölkerung habe keinen Nutzen davon. Wichtiger sei es, das medizinische Personal damit auszustatten.

Richtig so: Wenn Pflegekräfte, Ärzte und Apotheker sich nicht schützen können und dann erkranken, bricht unsere Gesundheitsversorgung zusammen, und sie haben großes Potenzial als ‚Super-Spreader‘.

Nun gilt aber überall spätestens ab Montag die Pflicht, zum Gang in die Öffentlichkeit Mund und Nase mit selbstgemachtem Schutz zu bedecken („Mund-Nase-Bedeckung“, MNB).

Seither streiten sich die Geister: Ist doch völlig logisch, dass ein MNB und Handschuhe besser sind als nichts, sagen die einen. MNB und Handschuhe schützen nicht vor Ansteckung, sagen die anderen.

Und beide haben recht – wie kann das sein?

MNB und Handschuhe sind Barrieren, von denen man erwarten kann, dass sie das zurückhalten, was sich nicht verbreiten soll. Klingt logisch, zumindest wenn es sich um geeignetes Material in geeigneter Verarbeitung handelt. Aber ihre Schutzwirkung ist auch davon abhängig, WIE sie eingesetzt werden. Und da gibt es viele Dinge, die man NICHT tun sollte, denen man aber tagtäglich auf der Straße oder auf Bildern in den Medien begegnet.

Für die MNB sind das:

  • MNB nur über dem Mund statt über Mund und Nase tragen
  • MNB unters Kinn ziehen
  • auf die Außenfläche der MNB fassen (ohne direkt danach die Hände zu reinigen)
  • in die Hand husten (ohne direkt danach die Hände zu reinigen)
  • das Telefon oder andere Gegenstände mit der Außenseite in Kontakt bringen (ohne sie danach zu reinigen)
  • MNB „auf links“ tragen, damit die nasse Innenseite außen trocknen kann
  • dichter als 2 Meter zum Nächsten aufrücken

Die folgende Collage zeigt in Bildbeispielen – verfremdet, um Persönlichkeits- und Bildrechte nicht zu verletzen – was man besser nicht mit seiner MNB tun sollte.

Was man falsch machen kann, wenn man Handschuhe trägt, zeigt der nachfolgende Youtube-Beitrag (in englischer Sprache, aber dennoch unmissverständlich):

Menschen, die sich durch den Gebrauch von Handschuhen und MNB sicher fühlen, damit aber nicht richtig umgehen, haben bestenfalls keinen Nutzen – schlechterenfalls aber ein erhöhtes Ansteckungsrisiko gegenüber jemandem, der vorsichtig ist, weil er keine Schutzmaßnahmen verwendet.

Darum: Wenn Menschen in die Apotheke kommen und um Rat fragen, erklären Sie ihnen, wie MNB und Handschuhe erst durch die korrekte Anwendung zu Schutzmaßnahmen werden.

In einer einfachen Formel: Nutzen = Schutzmittel + korrekte Handhabung.

Mit kollegialem Gruß und: bleiben Sie gesund!

Dorothee Dartsch

Bildnachweis: © Dorothee Dartsch

Hamburger Kammervorträge jetzt online

Fortbildung ist wichtig und sollte nicht ausfallen, auch nicht in ungewöhnlichen Zeiten. Wir freuen uns darum, dass wir unsere Online-Kompetenz im Rahmen unserer Netzwerkpartnerschaft mit der Apothekerkammer Hamburg einsetzen können, um die Abendvorträge aufzufangen.

Beginnend am 21. April und voraussichtlich bis zu den Sommerferien laden wir die Hamburger Apothekerinnen und Apotheker sowie PTA und die bereits eingeplanten Referentinnen und Referenten zu uns in den Online-Vortragsraum ein. Das genaue Programm finden Sie auf der Website der Apothekerkammer Hamburg.

Falls Sie teilnehmen möchten, haben wir ein paar Tipps für Sie:

Sie benötigen:

  • einen Rechner mit stabilem Internetanschluss
  • und einem gängigen Browser in einer aktuellen Version
  • und Lautsprechern.
  • Mehr nicht.

Sie bekommen:

  • eine Einladung per Email (daher unbedingt vorab unter seminaranmeldung@apothekerkammer-hamburg.de anmelden!)
  • darin einen Link zur Veranstaltung,
  • einen Knopf, über den Sie vorab Ihre Verbindung testen sollten
  • und das Passwort.

Was Probleme machen kann, und wie man sie löst:

  • eine sehr restriktive Firewall (Verbindung vorher testen, ggf. privates Gerät verwenden)
  • bei mobilen Endgeräten: Akku-Sparprogramme und Screensaver (vorher ausschalten)
  • Skriptblocker (Skripte mit „clickmeeting“ im Namen erlauben)

Unter dem folgenden Link haben wir noch ein kurzes Infoblatt für Sie:

https://www.campus-pharmazie.de/wp-content/uploads/2020/07/TN-Info-N.pdf

Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich ApothekerInnen und PTA.

Das Teilnehmer-Kontingent ist begrenzt. Wir bitten Sie daher, dass Sie sich unter der o.g. Emailadresse nicht nur anmelden, sondern dort auch absagen, falls Sie feststellen, dass Sie doch verhindert sind. Sie ermöglichen damit einer Kollegin oder einem Kollegen die Teilnahme. Vielen Dank!

Emailadressen oder TN-Namen werden weder von unserem Plattformanbieter noch von Campus Pharmazie gespeichert. Das Einverständnis mit der einmaligen Verwendung der Emailadresse durch Campus Pharmazie, um die Einladung zu generieren, wird bei jedem, der sich anmeldet, vorausgesetzt.

Wir freuen uns, Sie bald im Vortrag begrüßen zu können! Bleiben Sie gesund!

Bildnachweis: © skvoor / Adobe Stock

Mund-Nasen-Schutz stoppt ausgehustete SARS-CoV2-Viren nicht

Eine Studie mit vier COVID-2-positiven Patienten zeigt, dass weder ein chirurgischer, noch ein Mund-Nasen-Schutz aus Baumwolle SARS-CoV2-Viren zurückhält, wenn die Patienten unter diesem Schutz husten [1]. Die austretenden Viruspartikel konnten in Petrischalen über eine Distanz von 20cm und auf der Außen(!)seite des Schutzes nachgewiesen werden. Ob die Reichweite der ausgehusteten Viren durch den Mund-Nasen-Schutz beeinflusst wird, ist nicht bekannt.

Eine bereits früher durchgeführte Studie [2] weist dagegen darauf hin, dass ein chirurgischer Mund-Nasen-Schutz saisonale Influenza-, Rhino- und Coronaviren zurückhalten kann, wenn der Patient unter dem Schutz normal atmet. Husten wurde in dieser Studie nicht untersucht.

Beides sind Studien unter Laborbedingungen und mit wenigen Probanden. Darum sind diese Daten nur als erste Hinweise zu werten. In der Apotheke sollten aber MitarbeiterInnen wie PatientInnen darauf hingewiesen werden, dass ein Mund-Nasen-Schutz unabhängig vom Material nur einen begrenzten Schutz bietet. Das Tragen darf die persönlichen Schutzmaßnahmen (Abstand halten, Husten und Niesen in die Armbeuge, Handhygiene) keinesfalls ersetzen.

Entscheidungen über die Lockerung allgemeiner Schutzmaßnahmen, wie z.B. Aufhebung von Versammlungsverboten oder Wiederöffnung von Schulen und Kindergärten, unter der Bedingung, dass alle einen Mund-Nasen-Schutz tragen, sollten diese Erkenntnisse berücksichtigen.

Quellen

[1] Bae et al.: Effectiveness of Surgical and Cotton Masks in Blocking SARS–CoV-2: A Controlled Comparison in 4 Patients. Ann Intern Med. 2020. DOI: 10.7326/M20-1342

[2] Leung et al.: Respiratory virus shedding in exhaled breath and efficacy of face masks. Nat Med (2020). https://doi.org/10.1038/s41591-020-0843-2

Bildnachweis: © bittedankeschön / Adobe Stock

Literaturüberblick: COVID-19 & Chloroquin

Apotheker, Ärzte und Pflegende versorgen Menschen nicht nur mit Therapien, sondern auch mit Informationen. Dieser Überblick über aktuell verfügbare Literatur zum Einsatz von Chloroquin und Hydroxychloroquin bei COVID-19 soll dabei helfen. In einem anderen Artikel finden Sie einen Vergleich der beiden Wirkstoffe.

+++Update+++: Die FDA hat Chloroquin und Hydroxychloroquin per „Emergency Use Authorization“ (EUA) zur Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen mit COVID-19 zugelassen, spricht aber auch von „limitierten in-vitro-Daten und anekdotischer klinischer Erfahrung“. Man solle diese Behandlung daher vorzugsweise im Rahmen von klinisichen Studien unternehmen. Die EUA dient der Erleichterung der Behandlung von COVID-19-Patienten, die nicht an einer Studie teilnehmen können. Mit dieser Regelung wurden auch Factsheets zu Chloroquin und Hydroxychloroquin veröffentlicht.

Leitlinien:

In vitro-Daten:

  • Wang M, Cao R, Zhang L et al. Remdesivir and chloroquine effectively inhibit the recently emerged novel coronavirus (2019-nCoV) in vitro. Cell Res. 2020; 30:269-271. (PubMed 32020029) (DOI 10.1038/s41422- 020-0282-0)
  • Keyaerts E, Vijgen L, Maes P et al. In vitro inhibition of severe acute respiratory syndrome coronavirus by chloroquine. Biochem Biophys Res Commun. 2004; 323:264-8. (PubMed 15351731) (DOI 10.1016/j. bbrc.2004.08.085)
  • Yao X, Ye F, Zhang M et al. In Vitro Antiviral Activity and Projection of Optimized Dosing Design of Hydroxychloroquine for the Treatment of Severe Acute Respiratory Syn-drome Coronavirus 2 (SARS-CoV-2). Clin Infect Dis. 2020; In Press. (PubMed 32150618) (DOI 10.1093/cid/ciaa237)
  • Vincent MJ, Bergeron E, Benjannet S et al. Chloroquine is a potent inhibitor of SARS coronavirus infection and spread. Virol J. 2005; 2:69. (PubMed 16115318) (DOI 10.1186/1743-422X-2-69)
  • Liu J et al.: Hydroxychloroquine, a less toxic derivative of chloroquine, is effective in inhibiting SARS-CoV-2 infection in vitro. Cell Discov. 2020 Mar 18;6:16. doi: 10.1038/s41421-020-0156-0. eCollection 2020.

Studien:

  • Gautret P, Lagier JC, Parola P et al. Hydroxychloroquine and azithromycin as a treatment of COVID-19: results of an open-label non-randomized clinical trial. Int J Antimi-crob Agnts. 2020; In Press. (DOI 10.1016/jantimicag.2020.105949)
  • Study to evaluate efficacy and safety of hydroxychloroquine for treatment of pneumonia caused by 2019-nCoV (HC-nCoV). NCT04261517. https://www.clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04261517.

Übersichtsarbeiten:

  • Devaux CA, Rolain JM, Colson P et al. New insights on the antiviral effects of chloroquine against coronavirus: what to expect for COVID-19?. Int J Antimicrob Agents. 2020; :105938. (PubMed 32171740) (DOI 10.1016/j. ijantimicag.2020.105938)
  • Cortegiani A, Ingoglia G, Ippolito M et al. A systematic review on the efficacy and safety of chloroquine for the treatment of COVID-19. J Crit Care. 2020; (PubMed 32173110) (DOI 10.1016/j.jcrc.2020.03.005)
  • Li H et al.: Updated approaches against SARS-CoV-2. Antimicrob Agents Chemother. 2020 Mar 23. pii: AAC.00483-20. doi: 10.1128/AAC.00483-20. [Epub ahead of print]

Meinungen:

  • Colson P, Rolain JM, Lagier JC et al. Chloroquine and hydroxychloroquine as available weapons to fight COVID-19. Int J Antimicrob Agents. 2020; :105932. Editorial. (PubMed 32145363) (DOI 10.1016/j. ijantimicag.2020.105932)
  • Gao J, Tian Z, Yang X. Breakthrough: Chloroquine phosphate has shown apparent efficacy in treatment of COVID-19 associated pneumonia in clinical studies. Biosci Trends. 2020; 14:72-73. (PubMed 32074550) (DOI 10.5582/bst.2020.01047)
  • Zhou D et al.: COVID-19: a recommendation to examine the effect of hydroxychloroquine in preventing infection and progression. J Antimicrob Chemother. 2020 Mar 20. pii: dkaa114. doi: 10.1093/jac/dkaa114. [Epub ahead of print]
  • Sahraei Z et al.: Aminoquinolines Against Coronavirus Disease 2019 (COVID-19): Chloroquine or Hydroxychloroquine. Int J Antimicrob Agents. 2020 Mar 16:105945. doi: 10.1016/j.ijantimicag.2020.105945. [Epub ahead of print]

Laufende Studien (clinicaltrials.gov):

  • Chloroquine Prevention of Coronavirus Disease (COVID-19) in the Healthcare Setting (COPCOV). Fragestellung: Chloroquin als Infektionsprophylaxe für Personen in Hochrisiko-Bereichen. (NCT04303507)
  • The Clinical Study of Carrimycin on Treatment Patients With COVID-19. Fragestellung: Kriterien für die Behandlung mit Carrimycin, Lopinavir/Ritonavir, Umifenovir oder Chloroquin. (NCT04286503)
  • Norwegian Coronavirus Disease 2019 Study (NO COVID-19). Fragestellung: Wirksamkeit von Hydroxychloroquin. (NCT04316377)
  • Treatment of COVID-19 Cases and Chemoprophylaxis of Contacts as Prevention (HCQ4COV19). Fragestellung: Chloroquin als Infektionsprophylaxe für Kontaktpersonen von Infizierten. (NCT04304053)
  • Various Combination of Protease Inhibitors, Oseltamivir, Favipiravir, and Hydroxychloroquine for Treatment of COVID19 : A Randomized Control Trial (THDMS-COVID19). Fragestellung: Wirksamkeit verschiedener Kombinationen aus Virustatika und Chloroquin. (NCT04303299)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn Sie weitere Vorschläge für diese Liste haben, kontaktieren Sie uns gerne, z.B. über unser Kontaktformular. Wir nehmen Ihre Vorschläge auf, und Andere freuen sich darüber.

Bildquelle: © Fotomek / Adobe Stock

Chloroquin & Hydroxychloroquin: Vergleich

Chloroquin und Hydroxychloroquin gelten als Hoffnungsträger zur Behandlung von COVID-19 Patienten, und sie könnten möglicherweise als Infektionsprophylaxe für Personen in Hochrisiko-Bereichen Einsatz finden. Wie unterscheiden sie sich?

Chloroquin (Resochin®) Hydroxychloroquin (Quensyl® u. Generika)
Aktueller Stellenwert für COVID-19
Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 in vitro gezeigt, klinische Studien laufen, klinische Erfahrung wächst langsam Kontr. Studie mit 36 Patienten: Reduktion der Viruslast (Hydroxychloroquin z.T. in Kombi mit Azithromycin)
Indikationen
Rheumatoide Arthritis, SLE, Malariaprophylaxe und -therapie, off-label COVID-19 Rheumatoide Arthritis, SLE, Malariaprophylaxe und -therapie, off-label COVID-19
Dosierung COVID-19 (aus Studien)
A loading dose of 10 mg base/ kg followed by 150 mg daily (250mg chloroquine phosphate salt) will be taken for 3 months (Präventions-Studie) 200mg H.-Sulfat 3x tägl. für 10 Tage 400mg H.-Sulfat 2x tägl. für 7 Tage
Dosierung klass. Ind. (Erw.)
Allg.: kumulative Maximaldosis 50 g Chloroquin bei Erwachsenen (1 g/kg bei Kindern). Bezugsgröße: reales Körpergewicht zur Therapie der RA: 250 mg/d (bis max. 4 mg/kg/d) C.-Phosphat (entsprechend 155 mg C.) zur oralen Malariatherapie: Initial 16 mg/kg C.-Phosphat (10 mg C.), nach 6 h weitere 8 mg/kg C.-Phosphat (5 mg C.). Danach 8 mg/kg/d C.-Phosphat (5 mg C.) für die nächsten 2 bis 3 Tage. zur parenteralen Malariatherapie: 16,1 mg/kg C.-Phosphat (10 mg/kg C.) als Infusion über 4h, danach 8 mg/kg C.-Phosphat (5 mg/kg C.) über 4h in 12-stündigen Abständen bis zur Gesamtdosis von 40-50 mg/kg C.-Phosphat (25-30 mg/kg C.) Allg.: kumulative Maximaldosis 2-2,4 g H.-Sulfat Bezugsgröße: Ideal-Körpergewicht zur Therapie der RA: initial 2-3x tägl. 200 mg H.-Sulfat, Erhaltung 1-2x tägl. 200 mg H.-Sulfat zur oralen Malariatherapie: initial 800 mg, nach 6 bis 8 h 400 mg sowie je 400 mg H.-Sulfat an den folgenden 2 Tagen
Pharmakokinetik
Orale BV 100%, tmax 3h, starke Bindung an zelluläre Proteine und Anreicherung im Gewebe, HWZ 30-60 Tage, Q0 0,3-0,6, hepatische Metabolisierung, Exkretion biliär und renal (MATE-1-Substr.). Orale BV 100%, tmax 4h, starke Bindung an zelluläre Proteine und Anreicherung im Gewebe, HWZ 30-60 Tage, Q0 nahe 1, Metabolisierung und biliäre Exkretion.
Dosierung bei Eliminationsstörungen
Niereninsuffizienz: Dosisreduktion, bei eGFR<10 Kontraindikation, nicht dialysierbar Keller-Liste: Dosisred. ab GFR=30 Kidney Disase Program Louisville: keine Reduktion oberhalb GFR=10, darunter Dosishalbierung Keine Empfehlung zur Dosisanpassung. Lebererkrankungen und Alkoholkonsum könnten die Clearance vermindern. Nicht dialysierbar  
Wichtige UAW
Retinopathie (dosisabhängig, kumulativ), Hypoglykämie, GIT-Beschwerden, Blutbildveränderungen, psychiatrische Veränderungen, Hautveränderungen (auch schwere), Kardiomyopathie, QTc-Verlängerung, Hepatotoxizität (idiosynkratisch, sehr selten außer bei Porphyrie) Wie Chloroquin, Hydroxychloroquin gilt als etwas besser verträglich und wird daher von manchen Autoren favorisiert, Hepatotoxizität nur bei Porphyrie und hoher Dosierung
Wichtige Interaktionen
Kombination mit hypoglykämischen, retino-, kardio- oder hepatotoxischen Wirkstoffen vermeiden. Erhöhte Digoxinspiegel bei längerer gemeinsamer Gabe Vermind. BV durch Antazida (Abstand 4h) s. Chloroquin
Hinweise
Cave: Porphyrie, Hämolyse bei G6PDH-Mangel. Einnahme mit dem Essen verbessert die GIT-Verträglichkeit (pos. Food-Effekt) Cave: Porphyrie, Hämolyse bei G6PDH-Mangel. Einnahme mit dem Essen oder einem Glas Milch Latenz bis zum Wirkungseintritt (f. klassische Ind.)

Einen Literaturüberblick zu Chloroquin und Hydroxychloroquin finden Sie in einem anderen Blogartikel.

Quellen: Fachinformationen von Resochin und Quensyl, Monografien und Datenbank der American Society of Health-System Pharmacists‘ (ASHP), Livertox, ASHP: Assessment of Evidence for COVID-19-Related Treatments v. 21.03.2020.

Stand: 26.03.2020 – Dieser Artikel wird nicht regelmäßig aktualisiert.

Bildquelle: © Pixelot / Adobe Stock

Chloroquin-Rezepturen

Wenn sich Chloroquin zur Therapie von COVID-19-Erkrankten als wirksam erweist, brauchen Kinder, Senioren mit Schluckbeschwerden oder Menschen mit Sondenernährung flüssige Darreichungsformen in passender Stärke.

Als Fertigarzneimittel gibt es eine Injektionslösung für die Infusion und“Junior“-Tabletten, die 81 statt der 250 mg Chloroquinphosphat für Erwachsene enthalten. Hydroxychloroquin ist nur als Tablette mit 200mg Hydroxychloroquinsulfat im Handel.

Die American Society of Hospital Pharmacists (ASHP) stellt Herstellungsanleitungen für eine Suspension (15mg/ml) und einen Sirup (16,7mg/ml) mit Chloroquinphosphat zur Verfügung. Die Stabilität der Suspension wird mit 60, die des Sirups mit 28 Tagen angegeben. Beide können bei Raumtemperatur oder eingefroren gelagert werden. Hier gehts zum pdf bzw. zum Link.

Achtung: Kinder scheinen 4-Aminochinolinderivate schlechter zu vertragen als Erwachsene. Todesfälle sowohl nach oraler Einnahme von weniger als 1g als auch nach parenteraler Gabe sind berichtet, nach parenteraler Gabe auch schwere Unverträglichkeitsreaktionen. Eltern müssen unbedingt darauf achten, Chloroquin außerhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren.

Bildnachweis: © Yuri Arcurs / iStock

COVID-19-Online-Kurs

Nachtrag 17.03.2020
Inzwischen gibt es einen sehr informativen täglichen Podcast vom NDR zu Fragen rund um SARS-Cov-2 und COVID-19 („Corona-Podcast„), den ich sehr empfehlen kann. Und zwar über diese Seite: https://www.ndr.de/nachrichten/info/. Täglicher Interviewpartner ist Prof. Dr. C. Drosten, Virologe der Berliner Charité. Die aktuelle Folge wird als Podcast. vergangene Folgen als pdf angeboten.

Die WHO bietet einen kostenfreien einstündigen Online Kurs „Infection Prevention and Control (IPC) for Novel Coronavirus (COVID-19)“ für Angehörige der Heil- und Gesundheitsberufe sowie eine Interviewaufzeichnung für die Allgemeinbevölkerung mit Fragen und Antworten rund um das Thema „Reisen in COVID-19-Zeiten“ an. Beides halten wir für Apothekerinnen und Apotheker für relevant und interessant.

Das Interview mit Dr. Carmen Dolea, Head of International Regulations Sekretariat der WHO, finden Sie hier: https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019/travel-advice. Es dauert 23 Minuten und enthält Risikoeinschätzungen und Empfehlungen für Passagiere, FlughafenmitarbeiterInnen und FlugbegleiterInnen vom 12.02.2020.

Der Online-Kurs gliedert sich in drei Module:

  • Module 1: Preparedness, readiness and IPC: Überblick über die Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der Infektion zwecks Vorbereitung auf einen Anstieg der Fallzahlen.
  • Module 2: The novel coronavirus (COVID-19): Epidemiologie, Risikofaktoren, Definitionen, Symptome der Infektion mit COVID-19.
  • Module 3: Standard precautions, transmission-based precautions & COVID-19 specific recommendations: Diskussion der empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen.

Lernziele:

Nach Beendigung des Kurses sollten Sie in der Lage sein,

  • die Präventions- und Kontrollmaßnahmen für COVID-19 und ihre Bedeutung darzustellen;
  • die aktuelle epidemiologische Lage zu beschreiben, einschließlich der Definition und Symptomatik eines „Falls“;
  • die administrativen und technischen Kontrollmaßnahmen rund um einen infektiösen Patienten zu beschreiben;
  • die von der WHO empfohlenen Präventions- und Kontrollmaßnahmen für Einrichtungen der Gesundheitsversorgung zu beschreiben.

Vorsorglich möchten wir darauf hinweisen, dass wir keine Fragen aus der Allgemeinbevölkerung beantworten, sondern Schulungen für Angehörige der Heilberufe anbieten. Bitte wenden Sie sich mit Fragen zu COVID-19 z.B. an das Robert-Koch-Institut oder Ihr regionales Gesundheitsamt. Vielen Dank.