Chloroquin & Hydroxychloroquin: Vergleich

Chloroquin und Hydroxychloroquin gelten als Hoffnungsträger zur Behandlung von COVID-19 Patienten, und sie könnten möglicherweise als Infektionsprophylaxe für Personen in Hochrisiko-Bereichen Einsatz finden. Wie unterscheiden sie sich?

Chloroquin (Resochin®) Hydroxychloroquin (Quensyl® u. Generika)
Aktueller Stellenwert für COVID-19
Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 in vitro gezeigt, klinische Studien laufen, klinische Erfahrung wächst langsam Kontr. Studie mit 36 Patienten: Reduktion der Viruslast (Hydroxychloroquin z.T. in Kombi mit Azithromycin)
Indikationen
Rheumatoide Arthritis, SLE, Malariaprophylaxe und -therapie, off-label COVID-19 Rheumatoide Arthritis, SLE, Malariaprophylaxe und -therapie, off-label COVID-19
Dosierung COVID-19 (aus Studien)
A loading dose of 10 mg base/ kg followed by 150 mg daily (250mg chloroquine phosphate salt) will be taken for 3 months (Präventions-Studie) 200mg H.-Sulfat 3x tägl. für 10 Tage 400mg H.-Sulfat 2x tägl. für 7 Tage
Dosierung klass. Ind. (Erw.)
Allg.: kumulative Maximaldosis 50 g Chloroquin bei Erwachsenen (1 g/kg bei Kindern). Bezugsgröße: reales Körpergewicht zur Therapie der RA: 250 mg/d (bis max. 4 mg/kg/d) C.-Phosphat (entsprechend 155 mg C.) zur oralen Malariatherapie: Initial 16 mg/kg C.-Phosphat (10 mg C.), nach 6 h weitere 8 mg/kg C.-Phosphat (5 mg C.). Danach 8 mg/kg/d C.-Phosphat (5 mg C.) für die nächsten 2 bis 3 Tage. zur parenteralen Malariatherapie: 16,1 mg/kg C.-Phosphat (10 mg/kg C.) als Infusion über 4h, danach 8 mg/kg C.-Phosphat (5 mg/kg C.) über 4h in 12-stündigen Abständen bis zur Gesamtdosis von 40-50 mg/kg C.-Phosphat (25-30 mg/kg C.) Allg.: kumulative Maximaldosis 2-2,4 g H.-Sulfat Bezugsgröße: Ideal-Körpergewicht zur Therapie der RA: initial 2-3x tägl. 200 mg H.-Sulfat, Erhaltung 1-2x tägl. 200 mg H.-Sulfat zur oralen Malariatherapie: initial 800 mg, nach 6 bis 8 h 400 mg sowie je 400 mg H.-Sulfat an den folgenden 2 Tagen
Pharmakokinetik
Orale BV 100%, tmax 3h, starke Bindung an zelluläre Proteine und Anreicherung im Gewebe, HWZ 30-60 Tage, Q0 0,3-0,6, hepatische Metabolisierung, Exkretion biliär und renal (MATE-1-Substr.). Orale BV 100%, tmax 4h, starke Bindung an zelluläre Proteine und Anreicherung im Gewebe, HWZ 30-60 Tage, Q0 nahe 1, Metabolisierung und biliäre Exkretion.
Dosierung bei Eliminationsstörungen
Niereninsuffizienz: Dosisreduktion, bei eGFR<10 Kontraindikation, nicht dialysierbar Keller-Liste: Dosisred. ab GFR=30 Kidney Disase Program Louisville: keine Reduktion oberhalb GFR=10, darunter Dosishalbierung Keine Empfehlung zur Dosisanpassung. Lebererkrankungen und Alkoholkonsum könnten die Clearance vermindern. Nicht dialysierbar  
Wichtige UAW
Retinopathie (dosisabhängig, kumulativ), Hypoglykämie, GIT-Beschwerden, Blutbildveränderungen, psychiatrische Veränderungen, Hautveränderungen (auch schwere), Kardiomyopathie, QTc-Verlängerung, Hepatotoxizität (idiosynkratisch, sehr selten außer bei Porphyrie) Wie Chloroquin, Hydroxychloroquin gilt als etwas besser verträglich und wird daher von manchen Autoren favorisiert, Hepatotoxizität nur bei Porphyrie und hoher Dosierung
Wichtige Interaktionen
Kombination mit hypoglykämischen, retino-, kardio- oder hepatotoxischen Wirkstoffen vermeiden. Erhöhte Digoxinspiegel bei längerer gemeinsamer Gabe Vermind. BV durch Antazida (Abstand 4h) s. Chloroquin
Hinweise
Cave: Porphyrie, Hämolyse bei G6PDH-Mangel. Einnahme mit dem Essen verbessert die GIT-Verträglichkeit (pos. Food-Effekt) Cave: Porphyrie, Hämolyse bei G6PDH-Mangel. Einnahme mit dem Essen oder einem Glas Milch Latenz bis zum Wirkungseintritt (f. klassische Ind.)

Einen Literaturüberblick zu Chloroquin und Hydroxychloroquin finden Sie in einem anderen Blogartikel.

Quellen: Fachinformationen von Resochin und Quensyl, Monografien und Datenbank der American Society of Health-System Pharmacists‘ (ASHP), Livertox, ASHP: Assessment of Evidence for COVID-19-Related Treatments v. 21.03.2020.

Stand: 26.03.2020 – Dieser Artikel wird nicht regelmäßig aktualisiert.

Bildquelle: © Pixelot / Adobe Stock

Info-Veranstaltung zum Masterstudium in Münster

Sie haben unsere Info-Abende zum Masterstudiengang Clinical Pharmacy Practice in Hamburg und München verpasst? Kein Problem – kommen Sie doch einfach am 9. Januar 2019 nach Münster.

Dann werden die Studienkoordinatorin der RGU, Ina Donat, und ich Ihnen von 14:30 Uhr bis 17:00 Ablauf, Inhalte und Aufgabenformate im Masterstudiengang vorstellen.

Wer ab Januar mit den Campus-Pharmazie-Veranstaltungen beginnt, hat die Möglichkeit, im Herbst 2019 die zweite Stufe an der RGU zu beginnen und das Studium Anfang 2021 abzuschließen. Achtung: Es geht bereits sehr früh im Jahr los: mit dem Seminar „Arzneimitteltherapie für Patienten besonderer Altersgruppen“ am 10. Januar 2019. Anmeldungen nehmen wir jederzeit gerne an.

Vielleicht werfen Sie auch einen Blick in unseren Veranstaltungskalender und überlegen schon einmal, welche Seminare für Sie am besten passen – inhaltlich und zeitlich. Zur Anrechnung im Masterstudium brauchen Sie drei Seminare:

Hinzu kommen zwei Fallworkshops und eine Hospitation. Aber das erzählen wir auch alles am 9. Januar, 14:30 Uhr bis 17:00 Uhr in Münster in der Bismarckallee 25. Ihre Anmeldung wird zwecks Planung erbeten über die Apothekerkammer Westfalen-Lippe.

Ich freue mich, Sie dort begrüßen zu können.

Mit herzlichem Gruß

Dorothee Dartsch

Bildnachweis: © CaP Campus Pharmazie GmbH

Pharmakodynamische Interaktionen mit Antidiabetika

Im Beitrag Deprescribing von Antidiabetika ging es um die Anpassung einer antidiabetischen Therapie an die veränderten Gegebenheiten im Alter. Dabei kamen auch pharmakodynamische Interaktionen mit Antidiabetika zur Sprache, die hier noch einmal genauer beleuchtet werden sollen.

Pharmakodynamische Interaktionen steigern oder reduzieren die Wirkung eines Arzneimittels, ohne dabei dessen Plasmaspiegel zu verändern. Was sich verändert, ist statt dessen die Empfindlichkeit des Organismus für diese Wirkung. Also muss die Dosis des betreffenden Arzneimittels so angepasst werden, dass sie der veränderten Empfindlichkeit Rechnung trägt.

Gleiches gilt – und das wird bei der Verordnung gern vergessen – wenn ein interagierendes Arzneimittel abgesetzt wird. Da die Empfindlichkeit des System sich dann in die entgegengesetzte Richtung verschiebt, ist eine erneute Dosisanpassung, diesmal in die andere Richtung, nötig.

Pharmakodynamische Interaktionen mit Antidiabetika entstehen dadurch, dass Wirkstoffe anderer Indikationen eine den Blutzucker erhöhende oder senkende Wirkung (in diesem Fall Nebenwirkung) haben. Wenn Sie sich nun fragen, welche Wirkstoffe das sind, ist die Internetseite SIDER eine gute Hilfe, denn in dieser steitg wachsenden Datenbank des EMBL in Heidelberg [1] können Sie eine Nebenwirkung eingeben und erhalten eine Liste von Wirkstoffen, die nach aktueller Datenlage diese Nebenwirkung hervorrufen können.

Für „Glucose increased“ erhalten wir diese Liste:

  • Cancidas (Caspofungin)
  • Triptorelin
  • Zyprexa (Olanzapin)
  • (Cefditoren – in D aktuell nicht auf dem Markt)
  • Ertapenem: 1.2% – 2%
  • Everolimus: 1% – 57%
  • Febuxostat
  • Indinavir: 0% – 0.9%
  • Leuprorelinacetat
  • Mitoxantron 5% – 10%
  • Olanzapine
  • Pantoprazol
  • Pazopanib: 0% – 45%
  • Ponatinib: 0% – 58%
  • Propafenon: postmarketing
  • Quetiapin
  • Sunitinib: 1% – 2%
  • Temsirolimus
  • Vandetanib

Wo die Häufigkeit bekannt ist, mit der Glucose-erhöhende Nebenwirkung eintritt, sind Prozentangaben vorhanden.

SIDER ist, wie gesagt, eine gute, aber leider noch keine vollkommene Hilfe: Das Fehlen eines Wirkstoffs in der Liste garantiert nicht, dass dieser in Bezug auf die fragliche Nebenwirkung sicher ist. So sind auch Thiazide, manche Betablocker, manche Statine, Fluorchinolone, Proteasehemmer, nulleosidische Reverse Transkriptase-Inhibitoren, Phenytoin, Valproat, Betamimetika, Theophyllin, Steroide und Estrogene zu den Wirkstoffen mit Glucose-steigernder Nebenwirkung zu rechnen [2]. In der Regel ist die Wirkung dosisabhängig, und bei manchen dieser Wirkstoffe tritt die Nebenwirkung auf die Serumglucose erst bei hoher Dosis ein [2].

Wird einer dieser Wirkstoffe zusätzlich zu einer antidiabetischen Therapie angesetzt, kann es nötig sein, die Dosis des Antidiabetikums zu erhöhen, um den steigenden Glucosewerten zu begegnen. Wird ein solcher Wirkstoff wieder abgesetzt, muss das Antidiabetikum u.U. niedriger dosiert werden, damit es nicht zur Hypoglykämie kommt.

Für „Glucose decreased“ erhalten wir diese Liste:

  • Pazopanib: 0% – 17%
  • Ponatinib: 0% – 24%
  • Sunitinib: 2%
  • Vandetanib

Die oralen Onkologika können den Blutzucker offensichtlich in beide Richtungen verschieben. Zu den Glucose-senkenden Wirkstoffen sind außerdem ACE-Hemmer und Alphablocker zu rechnen [3]. Hier ist der Beginn der Therapie mit einer Abnahme der Serumglucose verbunden, so dass die Dosis von Antidiabetika u.U. verringert werden muss, damit es nicht zur Hypoglykämie kommt. Beim Absetzen dieser Wirkstoffe kann es zum Anstieg der Serumglucose kommen, so dass die antidiabetische Therapie evtl. intensiviert werden muss.

Quellen

[1] M Kuhn et al., The SIDER database of drugs and side effects. Nucleic Acids Res. 2016; 44(D1):D1075-9

[2] N Fathallah et al., Drug-Induced Hyperglycaemia and Diabetes. Drug Saf. 2015 Dec;38(12):1153-68

[3] JC Chan et al., Drug-induced disorders of glucose metabolism. Mechanisms and management. Drug Saf. 1996;15(2):135-57

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CYP-Interaktionen

Kennen Sie Transformer?

Nein, nicht den Actionfilm um intelligente Maschinenwesen, sondern die „Super-CYP“-Datenbank, in der Sie für die Medikationsanalyse oder den Interaktions-Check sowohl einzelne Wirkstoffmonografien mit Abbauwegen und Transporteraffinitäten aufrufen als auch Wirkstoffcocktails hinsichtlich überlappender Metabolisierungs- und Verteilungseigenschaften analysieren können.

Erstellt und unterhalten wird die Datenbank von der AG strukturelle Bioinformatik am Institut für Physiologie der Charité.

Eine Beschreibung der Arbeitsweise findet sich frei zugänglich in den Veröffentlichungen „SuperCYP: a comprehensive database on Cytochrome P450 enzymes including a tool for analysis of CYP-drug interactions“ und „The Transformer database: biotransformation of xenobiotics„.

 

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PD-Interaktionen von Psychopharmaka

Psychopharmaka: Pharmakodynamische Interaktionen

pilleBleiben wir noch bei den Psychopharmaka und beschäftigen uns mit den pharmakodynamischen Interaktionen. Da sind in erster Linie die additiven serotonergen, anticholinergen und QT-Zeit-verlängernden Wirkungen zu nennen.

Die Kombination serotonerger Arzneistoffe kann ein Serotoninsyndrom auslösen, das sich mit Agitiertheit, Ataxie, starkem Schwitzen, Diarrhoe, Reflex-Übererregbarkeit, Stimmungsveränderungen, Muskelzuckungen, Schüttelfrost, Zittern und/oder Hyperthermie äußert. In lebensbedrohlichen Fällen kommen hohes Fieber, Krampfanfälle, Arrhythmie und Bewusstlosigkeit dazu. Die Symptomatik setzt binnen Stunden nach dem Ansetzen oder einer Dosiserhöhung ein.

Serotonerge Wirkstoffe:

Psychopharmaka Wirkstoffe anderer Indikationen
Amitriptylin, Aripirazol, Bupropion, Buspiron, Citalopram, Clomipramin, Dapoxetin, Doxepin, Duloxetin, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Johanniskraut, L-Tryptophan, Lithium, Metamphetamin, Mirtazapin, Moclobemid, Nortriptylin, Paroxetin, Sertralin, Sibutramin, Tranylcypromin, Trazodon, Trimipramin, Tryptophan, Venlafaxin, Vortioxetin, Ziprasidon Almotriptan, Carbamazepin, Chlorpheniramin, Codein, Dextromethorphan, Eletriptan, Fentanyl, Frovatriptan, Granisetron, Linezolid, Levodopa, Methadon, Metoclopramid, Methylenblau, Naratriptan, Ondansetron, Oxycodon, Pethidin, Rasagilin, Rizatriptan, Selegilin, Sumatriptan, Tapentadol, Tramadol, Zolmitriptan

Anticholinerge Wirkungen äußern sich mit Gesichtsrötung, trockener Haut, Mundtrockenheit, Pupillenerweiterung mit Akkommodationsstörung, Stimmungsveränderung, Fieber und Harnverhalt. Tachykardie und Hypertonie können hinzukommen.

Anticholinerge Wirkstoffe:

Wirkstärke Psychopharmaka Wirkstoffe anderer Indikationen
hoch Amitriptylin, Clomipramin, Clozapin, Desipramin, Doxepin, Promethazin, Thioridazin, Trifluoperazin, Trimipramin Atropin, Biperiden, Bornaprin, Darifenacin, Dimenhydrinat, Fesoterodin, Hydroxyzin, Oxybutynin, Pirenzepin, Procyclidin, Scopolamin, Solifenacin, Trihexyphenidyl, Tolterodin, Trospiumchlorid
mittel Diphenhydramin, Loxapin, Nortriptylin, Olanzapin, Paroxetin, Pimozid Amantadin, Cimetidin, Oxcarbazepin, Oxycodon
schwach Citalopram, Diazepam, Duloxetin, Escitalopram, Fluoxetin, Lithium, Melperon, Mirtazapin, Phenytoin, Quetiapin, Topiramat

Die QT-Zeit-Verlängerung ist glücklicherweise sehr selten. Wenn sie aber auftritt, dann ohne zuverlässiges „Frühwarnsystem“ für einen plötzlichen Herztod. Synkopen, also plötzliche Ohnmachtsanfälle, und „Herzstolpern“ können auftreten, müssen aber nicht.

Risikofaktoren für QT-Zeit-Verlängerungen sind neben den QT-verlängernden Arzneimitteln: weibliches Geschlecht, Elektrolytstörungen (Hypokaliämie und -magnesiämie sowie Wirkstoffe, die solche Störungen verursachen), Hypothermie, Schilddrüsen.Funktionsstörungen, strukturelle Herzerkrankungen und Bradykardie. Liegen solche Risikofaktoren vor, ist eine Interaktion mit QT-verlängernder Wirkung doppelt kritisch.

QT-Zeit-verlängernde Wirkstoffe:

Wirkstärke Psychopharmaka Wirkstoffe anderer Indikationen
hoch Amitriptylin, Chlorpromazin, Citalopram, Donepezil, Doxepin, Escitalopram, Galantamin, Haloperidol, Hydroxyzin, Levomepromazin, Levomethadon, Methadon, Pimozid, Sertindol, Sulpirid, Thioridazin Amiodaron, Anagrelid, Arsentrioxid, Azithromycin, Budipin, Chinidin, Chloroquin, Cilostazol, Ciprofloxacin, Clarithromycin, Diltiazem, Disopyramid, Domperidon, Erythromycin, Flecainid, Fluconazol, Levofloxacin, Moxifloxacin, Pentamidin, Propofol, Sevofluran, Sotalol, Terfenadin, Tiaprid, Vandetanib, Verapamil
mittel Amisulprid, Clozapin, Doxylamin, Lithium, Melperon, Mianserin, Nortriptylin, Paliperidon, Promethazin, Quetiapin, Risperidon, Venlafaxin, Ziprasidon Alfuzosin, Amantadin, Atazanavir, Dolasetron, Dronedaron, Eribulin, Erlotinib, Famotidin, Felbamat, Fingolimod, Foscarnet, Granisetron, Imatinib, Indapamid, Isradipin, Lapatinib, Ofloxacin, Ondansetron, Oxaliplatin, Oxytocin, Ranolazin, Roxithromycin, Saquinavir, Sorafenib, Sunitinib, Tacrolimus, Tamoxifen, Telithromycin, Tizanidin, Tolterodin, Vardenafil, Vemurafenib, Voriconazol
gering Agomelatin, Aripiprazol, Bupropion, Olanzapin

 

Quellen:

H Petri: 22 wichtige Wechselwirkungen von Psychopharmaka. In|Fo|Neurologie & Psychiatrie 2015; 17 (10)

Credible Meds [am 18.12.2015]

JSL Kloth et al.: Incidence and relevance of QTc-interval prolongation caused by tyrosine kinase inhibitors. Br J Cancer 112, 1011-1016

SIDER 4.1: Side Effect Resource [am 18.12.2015]

Bild: © Pixel / Fotolia.com

Interaktionsprüfung mit Epocrates

Epocrates online

arznei #89Die Epocrates® Datenbank enthält

  • einen Interaktions-Checker,
  • Wirkstoff- bzw. Arzneimittelmonografien, auch zu alternativen Therapien,
  • Kurzfassungen von Leitlinien,
  • das ICD-9-Register,
  • Informationen zu Erkrankungen,
  • diagnostische Laboruntersuchungen,
  • Information zur kalkulierten und spezifischen Antibiotikatherapie.
  • Ergänzt werden diese Informationen durch Tabellen und Rechner zu verschiedenen Themen.

Wer kurzgefasste Information sucht, z.B. einen Interaktions-Checker zur Ergänzung der hauseigenen Software, ist mit Epocrates® gut beraten, da nur die absolut essenziellen Hinweise gegeben werden, die mit einem Blick erfasst werden können.

So beschränkt sich die Monografie für die Interaktion von Calcium und L-Thyroxin auf „Monitoring / Therapieanpassung“, Schilddrüsenfunktion überwachen und Einnahmen um mindestens vier Stunden trennen. Kombination kann die Wirksamkeit des Schilddrüsenhormons reduzieren (Absorption durch Chelatisierung vermindert).

Zur Datenbank geht es hier. Die Basisversion ist nach Registrierung frei zugänglich.

Information zu QT-verlängernden Arzneistoffen

QT-Verlängerung und Torsade de Pointes

Eine hilfreiche Internetseite zu diesem Thema bietet Credible Meds, ursprünglich eine universitäre Ausgründung in den USA.

Nach kostenloser Registrierung hat man Zugriff auf nach Risiko geordneten Listen von Wirkstoffen mit QT-verlängernder Wirkung. Das Risiko ist gegliedert in Known Risk (bekanntes Risiko), Possible Risk (mögliches Risiko), Conditional Risk (Risiko bei bestimmten Bedingungen) und Drugs to avoid in congenital long QT (Wirkstoffe, die bei angeborenem QT-Syndrom zu vermeiden sind).

Die Angabe der Risikokategorien erleichtert es, die Relevanz der Vielzahl von Interaktionsmeldungen einzuschätzen, die v.a. bei Polymedikationspatienten bearbeitet werden müssen.

Neu unter die Wirkstoffe mit Conditional Risk aufgenommen wurden kürzlich Hyroxyzin (Atarax®) und Metoclopramid (Cerucal®, Gastronerton®, Gastrosil®, MCP®, Paspertin®). Solche Meldungen können per Newsletter bei Credible Meds abonniert werden.

Bildnachweis: © iktash2 / Fotolia.com

Cotrim und ACE-Hemmer

pilleInteraktion Cotrim und ACE-Hemmer

Vorsicht bei der Abgabe von Cotrim an Senioren, die mit ACE-Hemmern behandelt werden!

Diese Kombination erhöht das Risiko eines plötzlichen Herztodes innerhalb von 14 Tagen nach Ansetzen des Antibiotikums um den Faktor 1,54. Das entspricht 3 Todesfällen pro 1000 Cotrim-Verordnungen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie aus Kanada [1]. Grund für den plötzlichen Herztod ist vermutlich eine Hyperkaliämie durch das Zusammenwirken der Aldosteron-Antagonisierung durch ACE-Hemmer und der Blockade eines Natriumkanals im distalen Nephron durch Trimethoprim. Beides setzt die Kaliumausscheidung herab. Die hyperkalämische Wirkung der beiden Arzneistoffe ist bereits aus Fallberichten bekannt [2,3], bislang war jedoch die klinische Relevanz unklar, zumal bei einem plötzlichen Herzstillstand bei älteren Patienten mit kardialer Vorbelastung nicht unbedingt an eine iatrogene Todesursache gedacht wird [4].

Die Cotrim-verursachte Hyperkaliämie ist dosisabhängig, so dass insbesondere bei hoher Dosierung mit dieser Interaktion zu rechnen ist. Risikofaktoren sind außerdem neben dem Alter und dem ACE-Inhibitor-Gebrauch die Einnahme von NSAIDs sowie eine Niereninsuffizienz [5].

Auch Ciprofloxacin ist mit einem erhöhten Risiko verbunden (1,29-fach), Norfloxacin oder Nitrofurantoin dagegen nicht [1].

Hätten Sie’s gewusst? [6]

Quellen:

[1] M Fralick et al.: Co-trimoxazole and sudden death in patients receiving inhibitors of renin-angiotensin system: population based study. BMJ. 2014; 349:g6196

[2] SW Lee et al.: Intraoperative hyperkalemia induced by administration of trimethoprim-sulfamethoxazole in a patient receiving angiotensin receptor blockers. J Clin Anesth. 2014 Aug;26(5):427-8

[3] Bugge JF: Severe hyperkalaemia induced by trimethoprim in combination with an angiotensin-converting enzyme inhibitor in a patient with transplanted lungs. J Intern Med. 1996;240(4):249-51

[4] SS Motiwala et al.: Predictors of place of death for seniors in Ontario: a population-based cohort analysis. Can J Aging. 2006;25(4):363-71

[5] CA Gentry et al.: An evaluation of hyperkalemia and serum creatinine elevation associated with different dosage levels of outpatient trimethoprim-sulfamethoxazole with and without concomitant medications. Ann Pharmacother. 2013;47(12):1618-26

[6] Titel einer 45-minütigen Quizsendung mit hohen Einschaltquoten, die von 1958 bis 1969 vom Bayerischen Rundfunk produziert und im Deutschen Fernsehen im Hauptprogramm ausgestrahlt wurde, sagt Wikipedia 😉

PPI und Antibiotika

Protonenpumpeninhibitoren und Antibiotika

Die regelmäßige Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren führt zu einer Erhöhung des Magen-pH-Wertes auf über 4. Dies bedeutet, dass für viele Keime der Magen keine Barriere mehr darstellt – normalerweise tötet die Magensäure eindringende Bakterien zu einem großen Teil erfolgreich ab. So auch die vegetativen Formen von Clostridium difficile, nicht jedoch die Sporen. Clostridium difficile ist gegen zahlreiche Antibiotika resistent.

Erhalten Patienten, die regelmäßig Protonenpumpeninhibitoren einnehmen, nun ein Antibiotikum wie Clindamycin oder auch Amoxicillin, so werden viele der normalerweise vorhandenen Darmbakterien abgetötet und die resistenten Clostridien können sich ungehindert vermehren. Einige dieser Bakterien tragen das Gen zur Produktion eines Toxins in sich, das in dieser Situation zum Tragen kommt. Durch die Freisetzung des Toxins kommt es zu massiven Durchfällen bis hin zu einem Megakolon oder Darmperforation, die eine Sepsis auslösen kann.

(Quellen:
Fordtran
, John S.: Colitis due to Clostridium difficile toxins: underdiagnosed, highly virulent, and nosocomial. In: Baylor University Medical Center Proceedings, Vol. 19, Nr. 1/2006, S. 3 – 12,
Vetter, Christine: Starke Zunahme der Inzidenz. In: Deutsches Ärzteblatt, Jg, 108, Heft 23, 10.6.2011 A 133,

http://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm290510.htm
– Stand 03.12.2012)

von Constanze Schäfer, Düsseldorf – Dankeschön!