Newsletter Nr. 03/2018

 

Apotheker in die Notaufnahmen! Der Einsatz im interprofessionellen Aufnahmeteam in der Notaufnahme reduziert nachweislich die Häufigkeit von Medikationsfehlern sowie unbeabsichtigter Diskrepanzen zwischen vorbestehender Haus- und Klinikmedikation. Ein Apotheker initiiert dort außerdem im Schnitt alle 2,75 Stunden eine Therapieänderung, um Medikationsfehler zu korrigieren. In unserer Online-Serie fassen wir Studien zum Nutzen von Apothekern in Notaufnahmen für Sie zusammen.

 

Anerkennung des Seminars Arzneimittelinformation für Fachapotheker-Seminare: in der Klinischen Pharmazie, der Allgemeinpharmazie und der Arzneimittelinformation. Details zur Anerkennung lesen Sie in unserem Blog. Das Online-Seminar startet am 06.09.2018. Melden Sie sich gleich an.

 

Gut für Diabetiker: Die klinisch-pharmazeutische Versorgung von Diabetespatienten durch öffentliche Apotheken reduziert die Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse. Das zeigt eine Modellrechnung über Zeithorizonte zwischen zwei und zehn Jahren.

 

Gut für Psoriasis-Patienten: Daten von „Real-World“-Patienten mit Psoriasis zeigen: Mit Biologicals ist das Risiko für schwere Infektionen nicht höher als mit Nicht-Biologicals. Die Studie stellen wir in unserem Blog vor.

 

Relevanz der QTc-Zeit-VerlängerungSie zu beurteilen und einen Konsens mit Ärzten zu erzielen, die QTc-verlängernde Kombinationen verordnen, ist oft nicht ganz einfach. Hilfestellung bietet eine Liste von patientenseitigen Risikofaktoren auf der Seite CredibleMeds – als Erweiterung der Wirkstofflisten.

 

Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmazie: Am 3./4.11.18 geht es in Hamburg um das Thema „Auf Herz und Nieren geprüft – Pharmakotherapie bei Niereninsuffizienz“. Bis zum 01.09. können KollegInnen aus öffentlichen und Krankenhausapotheken Abstracts einreichen, die Anmeldung läuft bis 01. Oktober. Programm, Anmeldung und weitere Infos auf der Website der DGKPha. Dorothee Dartsch ist Tagungspräsidentin.

 

Seminartermine, 2. Halbjahr: Am 06.09. startet das Seminar „Medizinische Literaturrecherche und Arzneimittelinformation“, am 11.10. „Interpretation von Laborparametern“ und am 08.11. „Unerwünschte Arzneimittelwirkungen“ mit unserem bewährten Gast-Experten Dr. med. Sven Schmiedl. Jetzt anmelden.

 

MSc Clinical Pharmacy Practice-Infoabend in München: am 12.10.18 von 19:30-21:00 nahe Messe München Ost, gut geeignet für alle Expopharm- und DAT-Besucher und KollegInnen aus München und Umgebung. Referentinnen: Dr. D. Dartsch (Hamburg), Dr. A. Weidmann (Aberdeen). Kostenlos, begrenzte Teilnehmerzahl, Ortsangabe folgt nach Anmeldung.

 

Mit herzlichen Grüßen!

Jasmin Hamadeh——Dr. Dorothee Dartsch
(Mediendidaktik)–__–(Klinische Pharmazie)
——-– mit dem Campus-Team –

Hier können Sie unseren Newsletter herunterladen: PDF-Datei

Bildnachweis: © D. Dartsch

Einfach unverzichtbar

Letztes Jahr haben wir eine Umfrage in öffentlichen Apotheken zu ihren Kompetenzen aus Fort- und Weiterbildung und ihren klinisch-pharmazeutischen Leistungen durchgeführt. Über diese Initiative haben wir Tagebuch geführt. Und kamen aufgrund der bemerkenswerten Ergebnisse zu dem Schluss, dass Apothekerinnen und Apotheker unverzichtbar kompetent sind.

Darum haben wir eine eigene Internetseite „apotheker-unverzichtbar-kompetent“ für die Öffentlichkeit angelegt, auf der diese Ergebnisse dargestellt sind.

Wir freuen uns sehr, dass wir damit die aktuelle ABDA-Kampagne „Einfach unverzichtbar“ inspirieren konnten! Liebe ABDA, viel Erfolg damit – zugunsten aller Apothekerinnen und Apotheker!

Bild: © wavebreakmedia / istock

Risikofaktoren für QTc-Zeit-Verlängerung und Torsaden

Wer sich mit Arzneimittelinteraktionen und speziell mit Interaktionen beschäftigt, die die QTc-Zeit verlängern, weiß, wie schwierig es ist, die klinische Relevanz einzuschätzen. In den Interaktionsdatenbanken der Apotheken taucht die Warnung vor einer QTc-Verlängerung mit großer Regelmäßigkeit auf und stellt die Apothekerin bzw. den Apotheker vor die Frage, wie darauf zu reagieren ist.

Für die klinische Relevanz, also die Wahrscheinlichkeit, dass die Interaktion sich tatsächlich bemerkbar macht, spielt die An- oder Abwesenheit von Risikofaktoren eine wichtige Rolle.

Diese Risikofaktoren finden sich nun in einer Liste auf der frei zugänglichen Website www.QTFactors.org, einem Zweig der Seite www.crediblemeds.org, auf der QTc-verlängernde Wirkstoffe ihrem Risiko nach eingestuft werden. Beide Seiten unterscheiden zwischen einer „nur“ QTc-verlängernden und einer nachweislich Torsaden-auslösenden Wirkung. Da beide nur schlecht korreliert sind, ist auch die Unterscheidung eine wichtige Hilfe bei der Beurteilung der Relevanz.

Mehr zum Thema QTc-Verlängerung: https://www.campus-pharmazie.de/qt-interaktion-relevant/

Bildnachweis: © iktash2 / Fotolia

Fehler durch verwirrende Stärkeangaben in den Arzneimittelbezeichnungen

Aus den Meldungen von (Beinahe-)Medikationsfehlern finden sich im aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit des BfArM und PEI lehrreiche Beispiele, wie verwirrende Angaben zur Stärke in den Arzneimittelbezeichnungen die Patientensicherheit durch Dosierungsfehler gefährden.

So wurde aus Meldungen zu Dosierungsfehlern bei Arzneimitteln mit Flupentixol deutlich, dass die Angabe der Stärke in % offenbar schwieriger zu interpretieren ist als die Angabe in mg/ml. So kam es zu einer fünffachen Überdosierung mit Flupentixol, weil der Arzt das erste in der Software angezeigte Präparat, Fluanxol® Depot 10 %, auswählte und verabreichte. Das ist eine Dosis von 100mg – empfohlen im Entlassbrief des Krankenhauses waren 20mg.

Auch bei Ibuprofensäften wurden Dosierungs- aufgrund von Rechenfehler bei den verfügbaren Stärken in Prozentangaben (2 und 4%) gemeldet.

Hieraus folgert das BfArM, dass die Angabe der Stärke in mg/ml der Angabe in % vorzuziehen ist.

Weitere Fehler traten bei der Umstellung von einer Arzneiform auf eine andere um: Konkret wurde eine Verordnung von Orfiril® Saft 5 ml – 5 ml – 5 ml durch eine Pflegekraft umgestellt auf Ergenyl® Tropfen 5 ml – 5 ml – 5 ml. Die tägliche Valproinsäuredosis, die mit 3x5ml Orfiril® Saft erreicht wurde, beträgt 900mg, mit 3x5ml Ergenyl® Tropfen aber 4500mg. Der Fehler fiel rechtzeitig auf und hätte vermieden werden können, wenn die ursprüngliche Verordnung Orfiril® Saft 60mg/ml 5 ml – 5 ml – 5 ml gelautet hätte.

Auch bei Methotrexat-Fertigspritzen mit der Konzentration 7,5mg/ml kam es durch unterschiedliche Packungsgrößen mit unterschiedlichen Füllvolumina und demzufolge unterschiedlichen absoluten Wirkstoffgehalten zu Dosierungsfehlern. Nur bei der Packungsgröße 1 ml entspricht die Angabe der Stärke auch der realen Gesamtmenge an Wirkstoff.

Um solche Fehler zu vermeiden, setzt sich das BfArM mit den Herstellern in Verbindung, um eine sicherere Bezeichnung zu erreichen, auch wenn die Bezeichnung an sich formal korrekt ist.  Bevor solche Maßnahmen greifen, heißt es jedoch in der Arztpraxis wie in der  Apotheke: Aufpassen, Fehler korrigieren und dann melden! Zum Glück gibt es das Vier-Augen-Prinzip aus Arzt und Apotheker, das Fehler dieser Art vermeiden hilft.

Quelle

Bulletin zur Arzneimittelsicherheit des BfArM und PEI, Ausgabe 1, März 2018

Bildnachweis: © sines / Fotolia

Bei Patienten mit Entlassrezept lieber eine Medikationsanalyse machen

Bei einem Fünftel aller Patienten, die kurz nach Entlassung aus dem Krankenhaus erneut aufgenommen werden müssen, ist die Arzneimitteltherapie schuld daran. Knapp 70% dieser arzneimittelbezogenen Wiederaufnahmen wären vermeidbar gewesen.

Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Übersichtsarbeit [1], die einzelne Studien zu dieser Fragestellung systematisch ausgewertet hat.

Als vermeidbare arzneimittelbedingte Wiederaufnahmen galten neben Medikationsfehlern  alle erkennbaren arzneimittelbezogenen Probleme, z.B. auch die Nicht-Beachtung einer bekannten Allergie oder die unterlassene Anpassung der Dosis an eine reduzierte Nierenfunktion.

Diese Zahlen lassen vermuten, dass Patienten, die nach einem Klinikaufenthalt z.B. mit einem Entlassrezept in die Apotheke kommen, besonders von einer umfassenden Medikationsanalyse profitieren könnten. Profitieren kann ebenfalls das Gesundheitssystem, weil ein vermiedener Krankenhausaufenthalt erhebliche Kosteneinsparungen bedeutet.

Als Risikofaktoren wurden in der Arbeit identifiziert: Krebserkrankung, ein hoher Co-Morbiditätsindex und verschiedene Wirkstoffklassen. Hier ganz vorne dabei: Antibiotika, Diuretika, Vitamin K-Antagonisten und Opioide. Außerdem wurden vermehrt durch Antidiabetika, Krebstherapeutika, Antihypertensiva, Digitalis, Kortikosteriode und Psychopharmaka ausgelöste Wiederaufnahmen berichtet.

Quelle

N El Morabet et al.: Prevalence and Preventability of Drug-Related Hospital Readmissions: A Systematic Review. JAGS2018; 66:602–608

Bildnachweis: © ufotopixl10 / Fotolia

 

Diabetes doch keine Einbahnstraße?

„Einmal Diabetes, immer Diabetes“ gilt möglicherweise doch nicht – jedenfalls nicht für den Typ 2-Diabetes in Verbindung mit Adipositas.

Eine prospektive Kohortenstudie in England hat den Einfluss einer intensiven Gewichtsreduktion auf die Remission der HbA1c-Werte untersucht [1]. Die Intervention bestand in der Verumgruppe aus einer dreimonatigen strikten Diät (825–853 kcal/d; 59% Kohlenhydrate, 13% Fett, 26%
Protein, 2% Ballaststoffe), gefolgt von einer Umstellung auf eine Kost mit 50% Kohlenhydraten, 35% Fett und 15% Protein. Flankiert wurde die Maßnahme durch die Empfehlung, täglich 15.000 Schritte zu gehen (gemessen mit einem Schrittzähler) und monatliche Besuche in der Arztpraxis zur Kontrolle der Gewichtsentwicklung. Ziel war eine Gewichtsreduktion um mindestens 15kg in 12 Monaten. In de Verumgruppe wurden mit Beginn des Diätprogramms zunächst alle antidiabetischen und antihypertensiven Arzneimittel abgesetzt, um hypoglykämische und hypotone Episoden zu vermeiden. In Anlehnung an die entsprechenden Messwerte wurden die Therapie danach soweit nötig und in angepasster Form wieder aufgenommen. Die Kontrollgruppe erhielt (wie die Verumgruppe auch) eine leitliniengerechte antidiabetische Therapie.

Ergebnisse

Eine Diabetesremission (definiert als Senkung des HbA 1c auf unter 6,5% nach mindestens zwei Monaten ohne jede antidiabetische Therapie) trat nicht nur in der Verumgruppe auf, dort aber wesentlich häufiger (46% versus 4%).

In der Verumgruppe gelang es 24% der Patienten, das Ziel einer 15kg-Gewichtsreduktion zu erreichen, der Schnitt der Gruppe lag bei einer Abnahme um 10kg. In der Kontrollgruppe nahmen die Patienten im Schnitt um 1kg ab, jedoch niemand um 15kg.

Über die gesamte Teilnehmerschaft zeigten Gewichtsreduktion und Diabetes einen engen Zusammenhang:

 

 

 

 

 

 

 

Fazit

Daraus lässt sich schließen, dass zumindest bei den hier untersuchten nicht-insulinpflichtigen Typ2-Diabetikern mit einem BMI von 27–45 kg/m² eine Remission möglich ist. Der nächste Schritt wäre, zu untersuchen, wie nachhaltig sowohl die Gewichtsreduktion als auch die Remission außerhalb der engmaschig kontrollierten Studiensituation sind.

Auf jeden Fall können die Daten der Studie im Beratungsgespräch in der Apotheke zur Motivation solcher Diabetes-Patienten herangezogen werden, die lieber ohne Medikamente auskommen möchten.

Quelle

MEJ Lean et al.: Primary care-led weight management for remission of type 2
diabetes (DiRECT): an open-label, cluster-randomised trial. Lancet. 2017 Dec 4. pii: S0140-6736(17)33102-1. doi: 10.1016/S0140-6736(17)33102-1. [Epub ahead of print]

Bildnachweis: © mantinov / Fotolia

Sonder-Newsletter Nr. 04/2017

apotheker.unverzichtbar.kompetent
Umfrageergebnisse 10/2017

 

„Hervorragende Reaktionszeiten, verlässliche Informationen, viel Engagement“[1] In die vorliegende Auswertung gingen 22 Hauptfragebögen, 17 Dokumentationen arzneimittelbezogener Probleme, 96 Bögen zur Apothekerzufriedenheit, 23 Bögen zur Patientenzufriedenheit und 10 Bögen zur Arztzufriedenheit ein. Die Umfrage fand im September 2017 statt. Teilnehmen konnten alle öffentlichen Apotheken in Deutschland. Ausgewählte Ergebnisse sind zur Information der Öffentlichkeit auf der Seite apotheker-unverzichtbar.kompetent.de dargestellt.
[1]Zitat aus den Fragebögen zur Zufriedenheit der Ärzte

 

Qualifizierung: Die 22 Apotheken, aus denen Antworten vorliegen, verfügen zusammen über 2109 Jahre Berufserfahrung, das sind knapp 100 Jahre pro Apotheke. In jeder dieser Apotheken sind im Schnitt 1,5 Fachapotheker und ein Apotheker mit Bereichsweiterbildung vorhanden. Knapp 2,5 Apotheker in jeder Apotheke haben ein freiwilliges Fortbildungszertifikat. Hinzu kommen 4,6 Campus Pharmazie-Seminare und 1,4 AMTS-Manager je Apotheke (Abb. 1). In jeder dritten Apotheke findet sich ein ATHINA-Absolvent. Apotheken mit Medikationsmanager-Fortbildungen beteiligten sich nicht.

 

Kompetenz im Einsatz Die Dokumentation der arzneimittelbezogenen Probleme (ABP) deckt insgesamt 101 Tage ab (sechs je Apotheke). In dieser Zeit wurden 582 ABP dokumentiert, am häufigsten Wechselwirkungen, gefolgt von unbekannten Dosierungen, suboptimaler Arzneimittelauswahl und Anwendungsproblemen (Abb. 2).

Mehr als drei Viertel (78%) der Probleme konnten vollständig, 16% teilweise gelöst werden. Von den vollständigen Lösungen wurde gut ein Drittel (35%) allein von der Apotheke erreicht, 40% gemeinsam mit dem Patienten und ein Viertel (25%) gemeinsam mit dem Arzt (Abb. 3).

In dieser Zeit wurden 64 bundeseinheitliche Medikationspläne vorgelegt und 20 dem Patienten erläutert. Von den befragten Apotheken haben 71% im ersten Halbjahr 2017 Medikationsanalysen (nach Definition der BAK) angeboten. In den teilnehmenden Apotheken (darunter Heim- und Klinikversorger) wurden im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 24.431 Medikationsanalysen erstellt. Gut die Hälfte (55%) waren Medikationsanalysen der Stufe 1, 27% der Stufe 2 und 18% der Stufe 3 (Abb. 4). Die mediane Zahl an Medikationsanalysen aller drei Stufen lag unter den Apotheken, die überhaupt Medikationsanalysen durchführen, im ersten Halbjahr 2017 bei 12 pro Apotheke.

 

Zufriedenheit: Die Zustimmung von Apothekern, Patienten und Ärzten zu verschiedenen Aussagen zur Zufriedenheit mit der Beratung durch den Apotheker wurden auf einer 5-Punkt-Likert-Skala abgefragt. Uneingeschränkte Zustimmung erhielt 100, eingeschränkte Zustimmung 75, eine neutrale Antwort 50, eingeschränkte Ablehnung 25 und uneingeschränkte Ablehnung 0 Punkte. In den Abbildungen sind hieraus die Mittelwerte gezeigt.
Die teilnehmenden Apotheker äußerten große Zustimmung zu ausgewählten Fragen nach ihrer Arbeitszufriedenheit. Dabei zeigten sich nur geringe Unterschiede zwischen denen, die ihre Aussagen auf die allgemeine Beratung und denen, die sie auf die Medikationsanalyse bezogen. Fast einhellig war die uneingeschränkte Zustimmung zu den Aussagen „Meine Beratung erhöht die Patientensicherheit“ und „Meine Arbeitszufriedenheit steigt durch Beratungstätigkeit“. Den Aussagen „Der Wert meiner Beratungstätigkeit wird geschätzt“, „Ich habe genug Zeit, um die Beratung auszuführen“ sowie „Ich fühle mich ausreichend kompetent, um die Beratung auszuführen“ stimmten die Befragen mehrheitlich nicht „voll und ganz“, sondern nur „eher“ zu (Abb. 5).Aus den Befragungen der Patienten geht hervor, dass die Apotheker es durch die Beratung u.a. erreichen, dass die Patienten sich sicherer im Umgang mit den Medikamenten fühlen, dass sie besser verstehen, was ihre Medikamente bewirken und dass sie besser informiert sind, wie sie ihre Arzneimittel einnehmen müssen. Große Zustimmung gab es auch zu der Aussage, dass der Apotheker verstanden habe, was dem Patienten wichtig ist. Dass die Beratungsgespräche in vertraulicher Umgebung stattfinden und dafür ausreichend Zeit vorhanden ist, scheint in Einzelfällen noch nicht optimal erfüllt (Abb. 6). Nach dem Beratungsgespräch bezeichneten sich die Patienten überwiegend erleichtert, gestärkt und entspannt (Abb. 7).

Die Ärzte zeigten sich sehr zufrieden mit der Form der von den Apotheken zur Verfügung gestellten Informationen (Zufriedenheitsindex 95 von 100). Von 10 Ärzten bestätigten neun, dass der Umfang der erhaltenen Information angemessen ist. Die Bewertung der Aktualität, Nützlichkeit und Vollständigkeit war sehr gut, die Bewertung der Relevanz der Informationen eine Spur weniger positiv (Abb. 8).

In einzelnen Kommentaren schätzten die Ärzte die direkte zeitnahe Kommunikation per Telefon oder Fax sowie bei Rückfragen die guten bzw. hervorragenden Reaktionszeiten, die verlässlichen Informationen, das große Engagement und die unmittelbare Rückmeldung. Ein Kommentar lautete: „Ich freue mich, wenn Sie bei Unklarheiten den direkten Kontakt suchen, und nicht den Patienten verunsichern.“

 

Apothekenbetrieb der Umfrageteilnehmer Die Abbildungen 9-11 zeigen die Strukturdaten der an der Umfrage teilnehmenden Apotheken.

Unter den teilnehmenden Apotheken bildeten solche mit mehr als 200 Kunden / Patienten am Tag den Schwerpunkt. Nach der Zahl der täglich belieferten Rezepte waren die Teilnehmer breit gestreut. Unter den Geschäftslagen waren Apotheken in Ärztehäusern, Hauptverkehrslagen und in kleineren Orten am stärksten vertreten.

 

Hier finden Sie unseren Newsletter auch zum Herunterladen:

Mit herzlichen Grüßen in den Herbst

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik)

Bildnachweis: © wavebreakmedia / istock

apotheker.unverzichtbar.kompetent -Tagebuch

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unsere Initiative „apotheker.unverzichtbar.kompetent“ ist angelaufen. In diesem Blog informieren wir Sie den September über (während uns hoffentlich viele, viele Fragebögen erreichen) immer mal wieder über den aktuellen Stand.

Zur Initiative selbst mit den Zielen, Erläuterungen und für Sie vorbereiteten Fragebögen geht es hier.

Fr 24.11.2017: Antwort vom Gesundheitsminister

Wir haben Post von Herrn Gesundheitsminister Gröhe erhalten: Er bestätigt unsere Ergebnisse aus seiner persönlichen Erfahrung heraus und verspricht, sich weiterhin für den Erhalt der flächendeckenden wohnortnahen Versorgung auf hohem Niveau durch niedergelassene öffentliche Apotheken einzusetzen, die auch für eilige Notfälle unentbehrlich seien. Das vollständige Schreiben kann hier eingesehen werden.

Mi 25.10.2017: Die Daten sind ausgewertet und die Ergebnisse aufbereitet

Wie viele Daten man erhoben hat, merkt man spätestens, wenn man sie alle in eine große Tabelle überträgt, auswertet und grafisch aufbereitet. Damit haben wir uns in den letzten vier Wochen befasst und stellen  nun die Ergebnisse zur Qualifizierung, Kompetenz im Einsatz und zur Zufiredenheit von Apothekern, Patienten und Ärzten in unserem Sonder-Newsletter vor. Dort finden Sie eine Kurz- und eine Langfassung zum Herunterladen. Sie sind herzlich eingeladen, die Dokumente an interessierte Kolleginnen und Kollegen weiterzuleiten und daraus zu zitieren. Für die Darstellung in der Öffentlichkeit haben wir ausgewählte Ergebnisse auf der Seite apotheker-unverzichtbar-kompetent.de dargestellt. Nun braucht es Verbreitung der guten Nachricht: Machen Sie Ihr Umfeld auf die Initiative und die Ergebnisse aufmerksam.

Allen, die teilgenommen haben, danken wir an dieser Stelle sehr herzlich. Mit unserer Initiative können wir zeigen, dass sich Kompetenz und Leistung der öffentlichen Apotheke messen und darstellen lassen. Wir werden die Umfrage daher im Frühjahr 2018 wiederholen.

Di 26.09.17: „Tolle Aktion…

deshalb haben wir auch mitgemacht“, schreibt uns eine Kollegin oder ein Kollege aus Neustadt. Inzwischen kommen regelmäßig Antworten bei uns an. Damit die Zahlen zur Kompetenz in unseren Apotheken richtig „einschlagen“ können, brauchen wir aber noch mehr Antworten. Und Sie können auch jetzt noch teilnehmen, zumindest mit dem allgemeinen Teil unserer Befragung. Auch diese Zahlen bringen uns alle voran. (Und Rückläufer, die uns in der ersten Oktoberwoche erreichen, fließen selbstverständlich auch mit in die Auswertung ein.)

Fr 22.09.2017: „Längst nicht so viel Arbeit…

…wie befürchtet 🙂 und zusammengekommen ist doch einiges. Hoffentlich machen viele Kollegen mit, dann können alle sehen, was wir so tagtäglich ‚zwischendurch‘ leisten!“ (D. Michel, Hamburg). Dieser Meinung sind wir auch!

Mi 20.09.2017: Ein guter Tipp

„In der Offizin haben wir die Strichliste in A5-Format auf die HV Tische geklebt. Das klappt super,“ schreibt H. Gnekow aus Hamburg. Herzlichen Dank für diesen Praxis-Tipp!

Mo 18.09.2017: Feedback

„Liebe Frau Dartsch, vielen Dank für Ihr Engagement!! Das ist eine tolle Idee.
Liebe Grüße Katja Renner“ (per Email) Gern geschehen, liebe Frau Renner, so startet es sich gut in die Woche.

Do., 07.09.17: Der erste Fragebogen ist zurückgekommen!

Wir werden sicher nicht jeden Rückläufer kommentieren (können), aber den ersten schon, denn natürlich freuen wir uns, dass wir auf erste Resonanz stoßen. Geantwortet hat uns ein Apotheker oder eine Apothekerin, der / die voll hinter den Aussagen steht, dass die Beratung sowohl die Patientensicherheit als auch die eigene Arbeitszufriedenheit erhöht und dass er oder sie sich dafür auch kompetent fühlt. Gut so! Und herzlichen Dank!

Mo 04.09.17: Die ABDA informiert

„Wir befürworten die Teilnahme an dieser Umfrage.“ Das freut uns sehr.

Fr., 01.09.17: Feedback

„Das ist ein schönes Projekt“ (Friedemann Schmidt, Leipzig). Dankeschön für diese positive Rückmeldung.

Do., 31.08.17: Die DAZ berichtet

„Apotheker können fundiert beraten – wichtig wäre nur, dass sich das auch mal rumspricht.“ So hat die DAZ Online unsere Idee sehr schön auf den Punkt gebracht.

 

Bild: © Andrey Popov / Fotolia

Deprescribing: Gegen den Strom

Die Haltung niedergelassener Ärzte gegenüber dem Deprescribing bei Patienten mit Polymedikation hat kürzlich eine Arbeitsgruppe der Universität von Auckland in semi-strukturierten Interviews untersucht [1]. Die in den Antworten der befragten Ärzte genannten Einflussfaktoren auf das Verordnungverhalten teilen die Autoren in drei Gruppen ein: 1. soziokulturelle, 2. persönliche und 3. systemorganisatorische Faktoren.

Unter die soziokulturellen Faktoren fallen Annahmen zur Erwartungshaltung von Patienten und Aspekte der Verordnungspraxis:

  • „Patienten erwarten von uns Ärzten, dass sie für ihre medizinischen Probleme ein Arzneimittel verordnet bekommen.“
  • „Es ist einfacher, immer neue Medikamente anzusetzen, als die Notwendigkeit der bestehenden Medikation zu überprüfen.“
  • „Für das Verordnen gibt es Kurse, für das Absetzen von Arzneimitteln nicht.“

Im Feld der persönlichen und Beziehungsfaktoren wurden Unsicherheit, Sorge vor unerwünschten Wirkungen des Absetzens, Sorge vor einer Verschlechterung des Verhältnisses zu Patienten und anderen Ärzten und Datenmangel genannt:

  • „Wir wissen nicht, welches zusätzliche Risiko die Kombination mehrerer Erkrankungen und Medikationen hervorruft.“
  •  „Man könnte als nachlässig, als schlechter Arzt, als inkompetent betrachtet werden, wenn man etwas absetzt und dann etwas passiert“, z.B. „ein Herzinfarkt, nachdem das Statin abgesetzt wurde.“
  • „Man setzt mehr an als man möchte, aber es ist schwierig, von den Leitlinien abzuweichen.“
  • „Wir brauchen mehr Forschung und mehr Zusammenarbeit auf dem Gebiet“ und „mehr Fortbildungen, um sicherer zu werden“.
  • „Es könnte so aussehen als habe man den Patienten aufgegeben – Sie werden ohnehin bald sterben, da helfen jetzt auch die Tabletten nicht mehr.“
  • „Es ist schwierig, etwas abzusetzen, das gerade erst angesetzt wurde, z.B. im Krankenhaus“ oder „vom Facharzt, von dem man annimmt, dass er besser Bescheid weiß als man selbst.“

Unter die systemorganisatorischen Faktoren fallen Zeitmangel, Abrechnungsfragen, Leitlinien und Computer-basierte Entscheidungs’hilfen‘, der Informationsfluss an Schnittstellen:

  • „Das sind komplexe Fälle, dafür ist einfach keine Zeit.“
  • „Bei Folgeverordnungen sieht man den Patienten gar nicht jedes Mal.“
  • „Man muss die Zeit, die man mit dem Patienten nicht wegen konkreter medizinischer Probleme, sondern mit der Verbesserung des Arzneimittelmanagements verbringt, bezahlt bekommen.“
  • „Abzusetzende Arzneimittel müssten im Computer angezeigt werden, dann könnte man dem Patienten sagen: ‚ich sehe hier, dass Sie zuviele Medikamente bekommen, schauen wir doch mal, was wir streichen können‚.“
  • Ich kenne ja nur einen Teil der Patientenhistorie. Vielleicht wurde ja schon versucht, was abzusetzen, und das musste wieder neu gestartet werden.“
  • „Ich würde gern einfach einen Fachkollegen anrufen und um Rat fragen. Oft emaile ich an einen Apotheker.“
  • „Leitlinien empfehlen immer nur, das Ansetzen.“ „Wir brauchen in jeder Leitlinie einen Absatz, unter welchen Bedingungen was abgesetzt werden soll.“ „Wir brauchen Leitlinien zur Multimorbidität, z.B. für Patienten, die chronische arthritische Schmerzen, Herzinsuffizeinz und Diabetes gleichzeitig haben.“
  • „Mit Patienten über Risiken zu sprechen, ist sehr schwierig.“
  • „Es würde die Sache erleichtern, wenn Patienten z.B. einmal jährlich eine Nachricht bekämen wie ‚Wenn Sie nächstes Mal beim Arzt sind, lassen Sie Ihre Medikation überprüfen‚.“

Einer der interviewten Ärzte erwähnte die App „MedStopper“. Sie hier verfügbar.

Die Antworten zeigen, wie schwierig es sein kann, Maßnahmen umzusetzen, von denen man grundsätzlich weiß, dass sie richtig sind. Sie zeigen auch, wie schwierig es ist, eine konkrete Entscheidung zu treffen, wenn sich die Folge nicht exakt einschätzen lässt – ganz besonders, wenn man dafür gewohnte Fahrwasser verlassen und sich evtl. sogar gegen die Erwartung anderer stellen muss.

So kann es sich auch bei der Beratung von Patienten in der Apotheke anfühlen. Gut zu wissen, dass es nicht nur uns so geht, oder?

Mit besten Grüßen

Dorothee Dartsch

Quelle

KA Wallis et al: Swimming Against the Tide: Primary Care Physicians’ Views on Deprescribing in Everyday Practice. Ann Fam Med 2017;15:341-34

Bild: © Leigh Prather / Fotolia

Initiative „apotheker.unverzichtbar.kompetent“

Sehr geehrte Kolleginnen und sehr geehrte Kollegen,

mit großer Freude informieren wir Sie ab heute über den Start unserer Initiative:

„apotheker.unverzichtbar.kompetent.“

Warum diese Initiative?

Seit fünf Jahren tragen wir mit unserem Campus Pharmazie dazu bei, dass Apothekerinnen und Apotheker Menschen kompetent zu Arzneimitteln beraten. Es ist auch für uns ein Schlag ins Gesicht, wenn unsere Berufsgruppe vom Medikationsplan ausgeschlossen bleibt und die patientenorientierte Beratungstätigkeit mit schlechteren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen quittiert wird.

Wir haben darum die Initiative „apotheker.unverzichtbar.kompetent“ enwickelt, mit der wir die Kompetenz und die Beratungsleistung der Apotheken nach außen darstellen möchten.

Um das faktenbasiert tun zu können, brauchen wir Ihre Unterstützung.

Wie unterstützen Sie uns dabei?

Dokumentieren Sie eine Woche lang, welche arzneimittelbezogenen Probleme Ihnen in Ihrem Apothekenalltag begegnen und wie diese gelöst werden konnten und beantworten Sie uns einige Fragen zu den Fort- und Weiterbildungsaktivitäten der Apothekerinnen und Apotheker in Ihrer Apotheke.

Wenn Sie können und wollen: Nutzen Sie unsere vorbereiteten Kurzfragebögen und holen Sie Feedback von Kunden / Patienten und Ärzten zu Ihrer pharmazeutischen Beratungsleistung ein.

Wir wollen realistisch darstellen, wie viel heilberufliche Sachverständigkeit und Kompetenz in den Apothekerinnen und Apothekern in Deutschland steckt. Je mehr Apotheken sich beteiligen, je vollständiger die arzneimittelbezogenen Probleme dokumentiert werden, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse.

Wie ist der Ablauf?

Hier sind die Bögen, die wir zu diesem Zweck entwickelt haben:

Bzgl. des Feedbacks zu Ihren Beratungsleistungen:

(Die Fragebögen an Ärzte und Patienten stellen wir im Word-Format zur Verfügung, so dass Sie die Formulierungen im Anschreiben verändern können.)

Der Aktionszeitraum ist der September 2017. Wählen Sie eine für Sie geeignete Woche im September, in der Sie dokumentieren, welchen arzneimittelbezogenen Problemen Sie begegnen.

Halten Sie auf dem Bogen fest, wie diese Probleme gelöst werden konnten. Schicken Sie die Dokumentations- und Fragebögen bis zum 10.10.17 per Post, Fax oder Email an uns zurück.

Wir zeigen die Ergebnisse auf der Website www.apotheker-unverzichtbar-kompetent.de und verbreiten sie in Pressemitteilungen innerhalb der Fachwelt und darüber hinaus.

Rückschlüsse auf Angaben der einzelnen Apotheke sind aus der Darstellung nicht möglich.

Haben Sie noch Fragen? Dann stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. Schon jetzt danken wir Ihnen ganz herzlich fürs Mitmachen! Jeder soll es sehen: Sie sind
unverzichtbar.kompetent.

Mit kollegialem Gruß

Dorothee Dartsch und Jasmin Hamadeh

 

Bild: © wavebreakmedia / istock