Newsletter Nr. 01/2019

Seminare für die Weiterbildung: Auch in diesem Jahr werden drei unserer Seminare in verschiedenen Weiterbildungsgebieten und -bereichen anerkannt: „Besondere Altersgruppen“, „Interaktionen“ und „Medizinische Literaturrecherche“. Termine und Anrechnungsmöglichkeiten finden Sie in unserem Blog, auch für die zukünftigen Stationsapotheker.

Antikoagulation bei Krebspatienten: Zugelassen sind bislang Heparine und Vitamin K-Antagonisten, beide mit dem Nachteil der invasiven Applikation bzw. Therapieüberwachung. Immer mehr Studien untersuchen, ob die direkten oralen Antikoagulanzien auch in dieser Patientengruppe wirksam und sicher sind. Die aktuellen Empfehlungen der International Society on Thrombosis and Haemostasis haben wir für Sie zusammengefasst.

Medikationsanalysen in England: Eine qualitative Studie untersucht die Ansichten von Ärzten und Apothekern hinsichtlich Effizienz und Gründlichkeit bei der Medikationsanalyse. Wer von beiden der Effizienz und wer der Gründlichkeit den Vorzug gibt, lesen Sie auf unserer Website.

Colitis ulcerosa-Leitlinie: Die American Gastroenterological Association (AGA) hat im Januar eine neue Leitlinie zur Behandlung der gering- bis mäßiggradigen Colitis ulcerosa (CU) herausgegeben. Sie stellt orale und topische 5-Aminosylicylate, rektale Kortikosteroide und orales Budesonid ins Zentrum. Wir haben die Empfehlungen für Sie zusammengestellt.

Jetzt ohne Stress ins Masterstudium „Clinical Pharmacy Practice“ starten: Mit unseren Veranstaltungen lässt sich die Zertifikatsstufe entspannt gestalten: Fangen Sie dieses Halbjahr 2019 mit einem Online-Seminar, z.B. „Eliminationsstörungen“, und einem oder zwei Fall-Workshops in Hamburg an (ein bisschen Platz haben wir da noch, aber nicht mehr viel), machen Sie ein weiteres Seminar, z.B. „Pharmakokinetik“, und die Hospitation im zweiten Halbjahr, das dritte Seminar („Interaktionen“) und die Sprachprüfung im ersten Halbjahr 2020 und starten im Herbst 2020 in die Diplomstufe. Der Masterabschluss folgt dann regulär im Frühjahr 2022.

Seminare vor den Sommerferien: In diesem Halbjahr haben wir noch drei Seminare für Sie, „Eliminationsstörungen“ (21.03.-17.04.), „Altersgruppen“ (11.04.-08.05.), „Interaktionen“ (30.05.-26.06.), sowie zwei Falldiskussions-Workshops am 30.03. und 15.06. in Hamburg. Unser Anmeldeformular finden Sie auf der Website.

Ergebnisse der Seminar-Evaluationen 2018: Die Ergebnisse sind jetzt online einzusehen.

In diesem Sinn wünschen wir Ihnen Erfolg für das angelaufene Jahr!

Jasmin Hamadeh——Dr. Dorothee Dartsch
(Mediendidaktik)–__–(Klinische Pharmazie)
——-mit dem Campus-Team

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Risikofaktoren für QTc-Zeit-Verlängerung und Torsaden

Wer sich mit Arzneimittelinteraktionen und speziell mit Interaktionen beschäftigt, die die QTc-Zeit verlängern, weiß, wie schwierig es ist, die klinische Relevanz einzuschätzen. In den Interaktionsdatenbanken der Apotheken taucht die Warnung vor einer QTc-Verlängerung mit großer Regelmäßigkeit auf und stellt die Apothekerin bzw. den Apotheker vor die Frage, wie darauf zu reagieren ist.

Für die klinische Relevanz, also die Wahrscheinlichkeit, dass die Interaktion sich tatsächlich bemerkbar macht, spielt die An- oder Abwesenheit von Risikofaktoren eine wichtige Rolle.

Diese Risikofaktoren finden sich nun in einer Liste auf der frei zugänglichen Website www.QTFactors.org, einem Zweig der Seite www.crediblemeds.org, auf der QTc-verlängernde Wirkstoffe ihrem Risiko nach eingestuft werden. Beide Seiten unterscheiden zwischen einer „nur“ QTc-verlängernden und einer nachweislich Torsaden-auslösenden Wirkung. Da beide nur schlecht korreliert sind, ist auch die Unterscheidung eine wichtige Hilfe bei der Beurteilung der Relevanz.

Mehr zum Thema QTc-Verlängerung: https://www.campus-pharmazie.de/qt-interaktion-relevant/

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Pharmakodynamische Interaktionen mit Antidiabetika

Im Beitrag Deprescribing von Antidiabetika ging es um die Anpassung einer antidiabetischen Therapie an die veränderten Gegebenheiten im Alter. Dabei kamen auch pharmakodynamische Interaktionen mit Antidiabetika zur Sprache, die hier noch einmal genauer beleuchtet werden sollen.

Pharmakodynamische Interaktionen steigern oder reduzieren die Wirkung eines Arzneimittels, ohne dabei dessen Plasmaspiegel zu verändern. Was sich verändert, ist statt dessen die Empfindlichkeit des Organismus für diese Wirkung. Also muss die Dosis des betreffenden Arzneimittels so angepasst werden, dass sie der veränderten Empfindlichkeit Rechnung trägt.

Gleiches gilt – und das wird bei der Verordnung gern vergessen – wenn ein interagierendes Arzneimittel abgesetzt wird. Da die Empfindlichkeit des System sich dann in die entgegengesetzte Richtung verschiebt, ist eine erneute Dosisanpassung, diesmal in die andere Richtung, nötig.

Pharmakodynamische Interaktionen mit Antidiabetika entstehen dadurch, dass Wirkstoffe anderer Indikationen eine den Blutzucker erhöhende oder senkende Wirkung (in diesem Fall Nebenwirkung) haben. Wenn Sie sich nun fragen, welche Wirkstoffe das sind, ist die Internetseite SIDER eine gute Hilfe, denn in dieser steitg wachsenden Datenbank des EMBL in Heidelberg [1] können Sie eine Nebenwirkung eingeben und erhalten eine Liste von Wirkstoffen, die nach aktueller Datenlage diese Nebenwirkung hervorrufen können.

Für „Glucose increased“ erhalten wir diese Liste:

  • Cancidas (Caspofungin)
  • Triptorelin
  • Zyprexa (Olanzapin)
  • (Cefditoren – in D aktuell nicht auf dem Markt)
  • Ertapenem: 1.2% – 2%
  • Everolimus: 1% – 57%
  • Febuxostat
  • Indinavir: 0% – 0.9%
  • Leuprorelinacetat
  • Mitoxantron 5% – 10%
  • Olanzapine
  • Pantoprazol
  • Pazopanib: 0% – 45%
  • Ponatinib: 0% – 58%
  • Propafenon: postmarketing
  • Quetiapin
  • Sunitinib: 1% – 2%
  • Temsirolimus
  • Vandetanib

Wo die Häufigkeit bekannt ist, mit der Glucose-erhöhende Nebenwirkung eintritt, sind Prozentangaben vorhanden.

SIDER ist, wie gesagt, eine gute, aber leider noch keine vollkommene Hilfe: Das Fehlen eines Wirkstoffs in der Liste garantiert nicht, dass dieser in Bezug auf die fragliche Nebenwirkung sicher ist. So sind auch Thiazide, manche Betablocker, manche Statine, Fluorchinolone, Proteasehemmer, nulleosidische Reverse Transkriptase-Inhibitoren, Phenytoin, Valproat, Betamimetika, Theophyllin, Steroide und Estrogene zu den Wirkstoffen mit Glucose-steigernder Nebenwirkung zu rechnen [2]. In der Regel ist die Wirkung dosisabhängig, und bei manchen dieser Wirkstoffe tritt die Nebenwirkung auf die Serumglucose erst bei hoher Dosis ein [2].

Wird einer dieser Wirkstoffe zusätzlich zu einer antidiabetischen Therapie angesetzt, kann es nötig sein, die Dosis des Antidiabetikums zu erhöhen, um den steigenden Glucosewerten zu begegnen. Wird ein solcher Wirkstoff wieder abgesetzt, muss das Antidiabetikum u.U. niedriger dosiert werden, damit es nicht zur Hypoglykämie kommt.

Für „Glucose decreased“ erhalten wir diese Liste:

  • Pazopanib: 0% – 17%
  • Ponatinib: 0% – 24%
  • Sunitinib: 2%
  • Vandetanib

Die oralen Onkologika können den Blutzucker offensichtlich in beide Richtungen verschieben. Zu den Glucose-senkenden Wirkstoffen sind außerdem ACE-Hemmer und Alphablocker zu rechnen [3]. Hier ist der Beginn der Therapie mit einer Abnahme der Serumglucose verbunden, so dass die Dosis von Antidiabetika u.U. verringert werden muss, damit es nicht zur Hypoglykämie kommt. Beim Absetzen dieser Wirkstoffe kann es zum Anstieg der Serumglucose kommen, so dass die antidiabetische Therapie evtl. intensiviert werden muss.

Quellen

[1] M Kuhn et al., The SIDER database of drugs and side effects. Nucleic Acids Res. 2016; 44(D1):D1075-9

[2] N Fathallah et al., Drug-Induced Hyperglycaemia and Diabetes. Drug Saf. 2015 Dec;38(12):1153-68

[3] JC Chan et al., Drug-induced disorders of glucose metabolism. Mechanisms and management. Drug Saf. 1996;15(2):135-57

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Warum ohne uns?

Die Knappschaft Bahn-See hat erkannt, dass unerwünschte Arz­neimittelwirkungen den Kran­kenkassen Kosten bescheren, und dass manche davon ver­meidbar wären. So z.B. uner­wünschte Wirkungen durch In­teraktionen zwischen rezept­pflichtigen und im Rahmen der Selbstmedikation erhältlichen Arznei- und Nahrungsergän­zungsmitteln. Sie investiert nun in Maßnahmen, um diese uner­wünschten Wirkungen zu ver­meiden und dadurch unter dem Strich Kosten einzusparen. Das ist zu begrüßen, denn es trägt zur Erhöhung der Arzneimittel­therapiesicherheit (AMTS) bei.

Am 14. Juni stellte die Referen­tin und AMTS-Projektleiterin der Knappschaft, Frau C. Vös­sing, auf dem 4. Deutschen Kongress für Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie in Berlin vor, wie die Knappschaft dieses Ziel erreichen möchte: Geplant ist ein Projekt, in dem die Versicherten individualisierte Briefe erhalten sollen, die den Patienten erklären, welche wei­teren nicht rezeptpflichtigen Arzneimittel aufgrund ihrer re­zeptpflichtigen Medikation für sie grundsätzlich Probleme be­reiten können und daher vermie­den werden sollten.

Sorgen macht mir einerseits, dass das die AMTS im Einzel­fall durchaus verschlechtern kann: man stelle sich z.B. vor, ein Patient nimmt seit langer Zeit sowohl Ciclosporin und Jo­hanniskraut ein, ist gut einge­stellt und setzt das Johannis­kraut nun plötzlich aufgrund des Warnbriefes ab – ohne Rück­sprache mit einem Heilberufler, ohne Monitoring, ohne Neuein­stellung der Dosis.

Ich frage mich aber vor allen Dingen: Was verleitet eine Krankenkasse, den erkannten Beratungsbedarf auf dem Postweg zu decken? Sie könnte statt­dessen ja auch Apotheker für diese Leistung entlohnen, die durch ihren direkten Patienten­kontakt offene Fragen und Miss­verständnisse ausräumen und sicherstellen können, dass die Information überhaupt zur Kenntnis genommen wird. Auch ist die Beratungsleistung der Apotheker sofort bei jeder Ver­ordnung und bei jedem Wunsch nach freiverkäuflichen Arznei­mitteln verfügbar – nicht erst verzögert nach Auswertung der Verordnungsdaten, wenn man­che Arzneimittel eventuell schon gar nicht mehr verordnet wer­den.

Warum also ohne uns? Wie muss die Wahrnehmung der Krankenkasse(n) hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der Apo­thekerschaft beschaffen sein, um so einen Weg zu gehen? Und das auf einem Feld, das Apothe­ker immer für sich beanspru­chen: Interaktionen zwischen re­zeptpflichtigen und freiverkäuf­lichen Arzneimitteln?! Sind es Zweifel an unserem Beratungs­willen? An unserer Leistungs­fähigkeit hinsichtlich Kompe­tenz und/oder Personaldecke? Zweifel daran, dass wir eine sol­che Leistung, deren Erfüllung man schwer kontrollieren kann, ehrlich erfüllen würden?

Was tun wir, um solche Zweifel zu nähren oder auszuräumen? Tun wir genug dafür, dass Dritte uns und unsere Leistung als wichti­ges Element der AMTS wahr­nehmen? Sind es zu wenige, die genug tun, zu viele, die zu pas­siv sind? Diese Fragen müssen wir Apo­theker uns in allen Berufsfeldern sehr kritisch stellen und ehrlich beantworten. Nur dann wird es möglich sein, erfolgreiche Stra­tegien zu entwickeln, um unse­ren Heilberuf für die Zukunft stark zu machen.

Dieser Gastkommentar von Prof. Dr. Dorothee Dartsch erschien in der DAZ Nr. 25 v. 20.08.2013

Newsletter Nr. 03/2013

Neue Pharmakovigilanz-Daten für Impfstoffe: Aus dem aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit [1] des Paul-Ehrlich-Instituts: 1.778 Verdachtsmeldungen zu Impfkomplikationen gab es im Jahr 2011. Ein kausaler Zusammenhang war bei gut der Hälfte allerdings unwahrscheinlich oder nicht beurteilbar, in keinem Fall gesichert. Häufigste Reaktion: Fieber. Pharmakovigilanz-Meldungen sind wichtig, um rechtzeitig risikominimierende Maßnahmen treffen zu können.

 

Seminar „Unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Pharmakovigilanz“: Am 23.05.2013 startet das nächste online-Seminar zu dieser Thematik. Dort geht es um Arten und Mechanismen unerwünschter Wirkungen und um die Einschätzung, ob zwischen einer Arzneimitteleinnahme und einem berichteten Symptom ein Zusammenhang bestehen kann. Zudem „übersetzen“ die Teilnehmenden eine Fallschilderung in eine Pharmako-vigilanz-Meldung. Das Seminar ist von der BAK mit 26 Punkten akkreditiert. Anmeldung bis 22.04.2013, nähere Information finden Sie hier.

 

Was ist das für ein Dreieck? In Zukunft bedeutet ein    in der Packungsbeilage, dass das betreffende Arzneimittel einer zusätzlichen Überwachung in der Pharmakovigilanz unterliegt [2]. Patienten und Heilberufler werden explizit aufgefordert, Symptome, die unerwünschte Wirkungen sein könnten, zu melden.

 

Ist das eine Interaktion? Ein 82-jähriger Diabetiker (intensivierte Therapie mit Basalinsulin und kurzwirksamem Insulin) erhält eine H. pylori-Eradikationstherapie mit Clarithromycin 500mg, Amoxicillin 1g und Pantoprazol 40mg (2x tägl.).

5 Tage nach Therapiebeginn erleidet er mehrere Hypoglykämien, der niedrigste gemessene Glucose-wert betrug dabei 42mg/dl. Könnte es einen Zusammenhang und eine Erklärung für die Hypoglykämien geben? Weitere Daten und ab 10.04. Auflösung hier.

 

Besser und kostengünstiger mit klinischen Pharmazeuten Die Einbindung von klinischen Pharmazeuten in die Versorgung von Typ-2-Diabetikern ist eine so genannte ‚dominante Strategie‘, d.h. die Versorgung ist effektiver und verursacht zudem weniger Kosten. Das berichten J. Yu et al. in einer kalifornischen Studie [3] hier.

 

Start am 18. April Für die Seminare „Arzneimittelinteraktionen“ und „Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen“ werden in Kürze die Zugangsdaten versandt. Den Kolleg/innen aus Offizin und Krankenhaus, die sich dafür angemeldet haben, wünscht Campus Pharmazie schon jetzt viel Freude an der „puren Pharmazie“ und nachhaltige Erkenntnisse. Informationen zu den Seminaren hier.

 

Ärztemangel – eine Chance? In Kalifornien führte der zunehmende Ärztemangel zu Beginn der 90er Jahre zum systematischen Ausbau klinisch-pharmazeutischer Dienstleistungen [4]. Klinische Apotheker prüften Medikationen auf arzneimittelbezogene Probleme und pharmakoökonomisches Einsparpotenzial, übernahmen das therapeutische Drugmonitoring und begutachteten Wiederholungsverordnungen, um Ärzte zu entlasten.

Dokumentation der Zufriedenheit von Patienten und Ärzten sowie der erhöhten Therapiesicherheit führten zur dauerhaften Etablierung dieser Leistungen. Die dort tätigen Apotheker müssen über ihr Studium hinaus definierte in Fort- und Weiterbildung erworbene klinisch-pharmazeutische Qualifikationen nachweisen.

 

Campus-Tag in Ihrer Nähe: Gern informieren wir Sie persönlich über Konzept und Ablauf unserer moderierten online Seminare in Ihrer Nähe. Sprechen Sie uns einfach an. Sobald sich mehrere Interessierte aus Ihrem Umkreis gemeldet haben, organisieren wir einen Campus-Tag vor Ort.

 

Mit pharmakovigilanten, kollegialen Grüßen
in einen sonnigen April

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

 


[3] J Yu et al., J Manag Care Pharm. 2013;19(2):102-14

[4] RMF Heilmann et al., Ann Pharmacother 2013;47, publ. online 16 Jan 2013

Benzodiazepin-Entzug: Erfolg auch nach langer Abhängigkeit

In einer gemeinsamen Fortbildung der Apotheker- und der Ärztekammer wurden gestern (30.01.2013) die Fallstricke der Benzodiazepin-Verordnung interdisziplinär beleuchtet.

Neben rechtlichen Aspekten (Dr. J. Kiehn, Dr. K. Voelker, Dr. R. Hanpft) und Interaktionen (Prof. Dr. D. Dartsch) waren vor allem die Aspekte der Entzugsbehandlung höchst interessant. Prof. Dr. C. Haasen vom Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) der Universität Hamburg stellte einen Patientenfall  zum Entzug nach 30 jähriger Abhängigkeit vor.

Die wichtigen Punkte, um Patienten nach so langer Zeit zum Aufhören zu motivieren seien, so Haasen:

  • nach Möglichkeit den für die Patienten angenehmeren ambulanten Weg wählen – stationärer Entzug nur für Patienten, die sich die nötige Disziplin nicht zutrauen
  • klar machen, dass die Entzugssymptome denen der Ursprungserkrankung ähneln, aber passager sind
  • herausfinden, über welches Abhängigkeitssymptom oder welche UAW der Patient am ehesten zum Entzug zu motivieren ist; oft ist es die Tatsache, dass das Risiko, eine Demenz zu entwickeln unter einer Benzodiazepin-Abhängigkeit 60% höher ist
  • die Dosis sehr langsam reduzieren: nach 30 Jahren Abhängigkeit veranschlagt Haasen 3 Jahre Entzug
  • Umstellen auf Oxazepam: wegen der kürzeren Halbwertszeit ist dieser Wirkstoff besser steuerbar – bei Benzodiazepinen mit längerer Halbwertszeit oder vielen aktiven Metaboliten setzen die Entzugssymptome verzögert und dann sehr massiv ein.

Sein Fazit: Auch bei langjähriger Abhängigkeit ist ein Entzug möglich und lohnend!

Dorothee Dartsch, CaP Campus Pharmazie GmbH

Wozu Pharmakokinetik?

Wozu Pharmakokinetik?

Ganz ehrlich, Pharmakokinetik ist doch was für matheverliebte Formeljongleure, aber hat nichts mit dem Alltag in der Apotheke zu tun. Oder doch?

Haben Sie schon einmal eine CYP-vermittelte Interaktion im Computer aufblitzen sehen? Oder dem Patienten einen Einnahmeabstand zwischen seinem Schilddrüsenhormon und dem Frühstücksmüsli empfohlen?

Oder sind Sie schon mal über den Hinweis gestolpert, dass ein Arzneimittel bei Patienten mit Niereninsuffizienz niedriger dosiert werden muss?

Dann beschäftigen Sie sich in Ihrem Berufsalltag ja doch mit Pharmakokinetik.

Person steht auf einer WaageEine weitere pharmakokinetische Frage wird uns aufgrund ihres zunehmenden Gewichtes in Zukunft vermehrt beschäftigen: Muss bei Patienten mit Adipositas die Dosis entsprechend ihres Körpergewichtes erhöht werden oder reicht die Standarddosis?

Das ist für jeden Wirkstoff individuell zu beantworten. In Abwesenheit klinischer Daten müssen wir abschätzen, ob die Adipositas-typischen körperlichen Veränderungen die Absorption, Verteilung oder Elimination beeinflussen – und wenn ja, wie. Die wichtigsten Veränderungen betreffen:

  • die Verteilungsräume (durch ein erhebliches Mehr an Fettgewebe und etwas vermehrtes Muskelgewebe)
  • die Eliminationsleistung (durch ein erhöhtes Herzzeit-Volumen, gesteigerte Nieren- und evtl. Leberfunktion).

Sich auf klinische Daten zu stützen, ist immer sicherer als die theoretische Abwägung.  Aber da diese Daten noch selten in den Fachinformationen oder der ABDA-Datenbank zu finden sind, müssen wir uns entweder in die Primärliteratur wagen oder valide Monografien oder Leitfäden finden.

Hier ist eine kleine Auswahl von frei zugänglichen Informationen im Internet:

Anm.: Alle drei Quellen stammen soweit beurteilbar von firmenunabhängigen Experten, erscheinen also valide. Die Aktualität kann z.T. nur anhand der verwendeten Literatur beurteilt werden und ist für die verschiedenen Wirkstoffe unterschiedlich.

von Dorothee Dartsch, CaP Campus Pharmazie GmbH, Hamburg

Der aktuelle „Mutschler“

Buchtipp: Der neue „Mutschler“

Die aktuell neue 10. Ausgabe des Standardwerkes zur Pharmakologie, Arzneimittelwirkungen, (WVG Stuttgart, ISBN 978-3-8047-2898-1) kann ich nur empfehlen.

Besonders sinnvoll finde ich für die Überprüfung von Interaktionen und ihre Erklärung, dass im hinteren Buchdeckel eine Tabelle der wichtigsten CYP-Isozyme und ihrer Substrate zu finden ist. Diese und andere Tabellen zu Transportproteinen und Enzymen im Metabolismus von Arzneistoffen findet man auch im sehr ausführlichen und gut aufgebauten ersten allgemeinen Teil des Buches. Nur das Kapitel Chronopharmakologie ist hier deutlich ausbaufähig.

Im zweiten, speziellen Teil findet man sehr übersichtliche Aufstellungen einzelner Substanzgruppen mit Strukturformeln, HWZ und Tagesdosen und gut verständlichen, graphischen Darstellungen von Wirkmechanismen. Es folgt noch ein Teil zu grundlegenden Fragen der Toxikologie.

Subskriptionspreis bis 31.1.2013   59,00 €

von Carola Schmidt aus Hannover – dankschön!

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker? Und!

Der Zugriff auf vollständige, aktuelle und richtige Patientendaten, der für eine umfassende Therapiebeurteilung essentiell ist, ist nicht nur für uns Apotheker, sondern auch für Ärzte ein Problem:

In einer aktuellen Studie der Universitäten Bremen, Hannover und Göttingen1  hat sich herausgestellt, dass bei niedergelassenen Ärzten insbesondere die Daten zur Medikation oft lückenhaft sind. In der Studie wurden die in den Arztpraxen vorliegenden Akten von 210 älteren Patienten, die mehr als vier Arzneimittel einnahmen, mit den Angaben der Patienten selbst zu ihrer aktuellen Medikation verglichen und Diskrepanzen anschließend im Gespräch mit dem jeweiligen Arzt verifiziert.

Bei 41% der Patienten fehlte in der Patientenakte mindestens ein Arzneimittel, im Schnitt waren es 2 Stück (± 1,2; Spannweite 1-6). Am häufigsten waren es Magnesium-Präparate, die fehlten, was vermutlich selten kritisch ist. Auf den nächsten Plätzen folgten dann aber Thrombozyten-Aggregationshemmer, Statine, Protonenpumpenhemmer und Calcium – Arzneimittel, bei denen in punkto Interaktionen und unerwünschte Wirkungen die Warnlampen blinken sollten!


Die häufigsten Gründe für die Datenlücken waren in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit

  1. fehlende Aktualität (in der Akte war zwar eine entsprechende Verordnung in der Vorgeschichte vermerkt, aber nicht in die aktuelle Medikationsliste übernommen worden),
  2. mangelnde Dokumentation (der Arzt wusste, dass der Patient das Arzneimittel einnimmt, hatte es aber nicht vermerkt),
  3. die Einnahme rezeptfreier Arzneimittel und
  4. die Verordnung durch einen Fach- oder Klinikarzt.

Möglicherweise ist die Erstellung vollständiger, aktueller und richtiger Patientendaten kein Unterfangen, das eine Berufsgruppe allein bewältigen kann, sondern die Kommunikation von Arzt und Apotheker erfordert. Für beide Seiten könnte das das Leben einfacher und die Therapie für die Patienten sicherer machen!

 

1 G Schmiemann et al., Differences between patient medication records held by general practitioners and the drugs actually consumed by the patients. Int J Clin Pharmacol Ther 2012, 50(8):614-7
[Prof. Dr. Dorothee Dartsch]